Es hätte ein richtig guter Anfang sein können, am 5. Mai, bei der Bilanzpressekonferenz der Sparkasse Stade-Altes Land. Vorstandschef Wolfgang Schult klang optimistisch, als er zum geplanten Zusammenschluss mit der Nachbar-Sparkasse Harburg-Buxtehude sagte: "Wenn alles gut läuft, wollen wir die Fusionsverträge noch vor der Sommerpause, also Mitte Juni, unterzeichnen." So zitierte ihn die örtliche Kreiszeitung. Das Stader Tageblatt schrieb: Sparkassenfusion auf gutem Weg.

Keine Woche später folgte die Kehrtwende: Sparkasse Stade-Altes Land bleibt eigenständig, stand über einer Mitteilung, die Schult am 11. Mai an die lokale Presse versenden ließ.

Die Fusion, die ein paar Tage zuvor noch so gut wie perfekt schien, sie war geplatzt.

Es geht bei diesem fehlgeschlagenen Deal um mehr als die Kooperation zweier Banken am Hamburger Stadtrand. Es geht darum, mit welchen Problemen Sparkassen in ländlicheren Gebieten kämpfen. Darum, wie die Folgen dieser Probleme letztlich weit über die Arbeit der Sparkassen-Filialen hinausreichen und am Ende sogar das Gemeinwesen beeinträchtigen können.

Ein Termin mit Wolfgang Schult, dem Vorstandschef der Stader Sparkasse. Schult ist ein freundlicher, hoch aufgeschossener Mann mit Brille und raspelkurzen Haaren. Der 61-Jährige versucht gleich zu Beginn, den PR-GAU kleinzureden. Es habe sich, sagt er, bei den Fusionsgesprächen um einen "ergebnisoffenen Prozess" gehandelt. Seine Äußerungen bei der Pressekonferenz Anfang Mai seien ein bisschen verkürzt wiedergegeben worden. Er habe sich "auf eine neutrale Beschreibung des Sachstands beschränkt" und "ausdrücklich keine Prognose über die Erfolgsaussichten gegeben".

Aber wirkt die Sache von außen nicht wenigstens seltsam? Eine Kehrtwende innerhalb weniger Tage? Schult sagt: "Es steht natürlich jedem frei, seine eigene Bewertung vorzunehmen."

Also gut, die eigene Bewertung: Wenn nicht alles täuscht, war Wolfgang Schult eindeutig für die Fusion. Und nicht nur er. Im vergangenen Herbst brachte das oberste Entscheidungsgremium seiner Sparkasse, der von lokalen Politikern dominierte Verwaltungsrat, den Fusionsprozess mit 15 : 0 Stimmen auf den Weg. Ein halbes Jahr später vollführte ebendieser Verwaltungsrat die beschriebene 180-Grad-Wende, wieder mit 15 : 0 Stimmen.

Das Irritierende: Die Entscheidungsgrundlage hatte sich währenddessen nicht verändert.