Was mit Mode

"Hätte mir jemand vor 15 Jahren gesagt, dass ich mal freiwillig Klausuren schreibe – ich hätte ihn ausgelacht", sagt Mirijam Friedrich. Sie war 16, als sie die Schule verließ: "Lernen fand ich nur noch anstrengend." Sie interessierte sich mehr für Partys, Freunde, Jungs. Heute kommt es schon mal vor, dass sie bis Mitternacht noch an einer Projektarbeit sitzt. Sie ist jetzt 30 und studiert Medienentwicklung an der Hochschule Darmstadt, zweites Semester im Master. Nach der Schule hatte sie sich wahllos auf Ausbildungsplätze beworben – nur damit die Mutter Ruhe gibt. Eine Zusage kam vom Amtsgericht Darmstadt, 40 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Auf die Ausbildung folgte die Festanstellung als Justizfachangestellte. Fünf Tage die Woche Büro von 6.30 bis 15.30 Uhr. "Die Kollegen waren nett, aber Spaß gemacht hat es selten." Kläger lassen bei ihr Dampf ab, über lange Verfahren, unfaire Richter. "Ich wurde angeschrien für Dinge, die ich nicht beeinflussen konnte." Trotzdem blieb sie. Weitermachen bedeutet Sicherheit. Nach sechs Jahren ist ihr die egal.

Mit 24 geht Friedrich wieder in die Schule: tagsüber Gericht, dann Abendgymnasium bis 22.15 Uhr. Sie hat kaum Freizeit, dafür Spaß am Lernen – und dreieinhalb Jahr später Abitur. Den Studienplatz in ihrem Wunschfach Online-Journalismus bekommt sie auf Anhieb. "In alle Freundschaftsbücher schrieb ich als Kind bei Traumberuf: 'Journalistin'." Als Friedrich kündigt, um sich an der Uni einzuschreiben, verdient sie 1.400 Euro netto. Jetzt kommt sie mit Bafög und zwei Nebenjobs auf ein Drittel weniger. Unter der Woche schreibt sie für eine Agentur Texte, samstags jobt sie in einem Modegeschäft. An der Uni dreht sie Videobeiträge, vertont Podcasts, schreibt Artikel. Nach dem Abschluss will sie als PR-Managerin arbeiten, am liebsten im Modebereich. Mit ihren ehemaligen Kolleginnen trifft sich Friedrich noch oft. "Für die wenigsten ist es der Traumjob, aber den meisten fehlt der Mut, etwas zu ändern."

Arzt mit Kamera

Der Lebenslauf von Daniel Flaschar besteht über zehn Jahre hinweg aus einem permanenten Hin und Her zwischen Kamera und Klinik. Flaschar arbeitet als Mediziner und als Fotograf – weil beide Berufe unterschiedliche Bedürfnisse des 42-Jährigen befriedigen. Medizin bedeutet für ihn Sicherheit: einen Job im Krankenhaus, bestimmte Regeln für bestimmte Fälle. Als Fotograf kann er sich kreativ ausleben.

Flaschar zog nach dem Abi von München nach Berlin und begann bei einem Fotografen zu assistieren. Schon als Kind hatte er mit der alten Pentax seiner Eltern experimentiert, er liebt die Wirkung von Licht. Doch das Gefühl wuchs, nicht genug Relevantes zu lernen, Frust kam auf.

Er beginnt ein Medizinstudium. Nebenher nimmt er kleine Foto-Jobs an. "Ich habe gemerkt, dass ich mit meiner Art, die Welt zu sehen, Geld verdienen kann." Er macht einen Reportage-Workshop in den USA, gewinnt einen Preis, bekommt noch mehr Aufträge. Trotzdem nimmt er das Medizinstudium wieder auf – und startet parallel ein Studium in Visueller Kommunikation an der Universität der Künste. Aufreibend, sagt Flaschar, "aber auch ausgleichend". Vormittags Charité, nachmittags UdK. Mehr Zeit steckt er in die Medizin, schließt auch nur dieses Studium ab, reduziert die Fotografie stark und entscheidet sich für die Klinik – vorerst. Er arbeitet in der Kardiologie, in der Notaufnahme, in der Anästhesie. "Fotografieren blieb aber immer im Hinterkopf." Viele seiner Freunde sind im kreativen Bereich tätig, er bekommt immer wieder Anfragen. Er kündigt im Krankenhaus und macht sich als Fotograf selbstständig. Es dauert, bis er ganz aufhört zu zweifeln. Mal kommt ein großer Auftrag, dann über Wochen nichts. Diese Leerläufe muss er aushalten. "In den ersten Monaten war ich nervöser, als ich es im OP je gewesen bin." Heute hat er gelernt, damit umzugehen und vermeintliche Durststrecken für freie Arbeiten zu nutzen. Ausschließen, dass er irgendwann wieder an einer Klinik arbeitet, will Flaschar nicht.

Eisprinzessinnen

Honig-Rosmarin, Apfel-Sellerie, Frischkäse-Erdbeere. Julia von Dreusches Arbeitswelt dreht sich um ungewöhnliche Lebensmittelkombinationen. Die macht sie erst zu Eis, dann zu Geld: 2013 hat sie in Mainz gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Anke Carduck "N’Eis – Das Neustadteis" eröffnet, eine Eisdiele mit kreativen Sorten. Es folgten Eisfahrrad, Eisbus und Eisvitrine für Veranstaltungen. Die zweite N’Eis-Diele hat gerade eröffnet, in einem alten Wehrhäuschen direkt am Rhein. Mittlerweile haben die beiden zwölf Festangestellte und 40 Aushilfen.