Auto fahren in Jordanien ist wie ein extrem realistisches Computerspiel. Das Ziel ist, möglichst keine anderen Fahrzeuge zu touchieren und keine Zivilisten zu überfahren. Hupen gibt Extrapunkte, ding-ding-ding-ding. Blinken gibt Abzug, weil es die Spannung zerstört: mööööööt! Schauen Sie nicht zurück: Die anderen Fahrer sind für sich selbst verantwortlich! Zeit ist erst mal zweitrangig. Nur so geht es.

Jederzeit ist es denkbar, dass Ihnen jemand im Rückwärtsgang entgegenkommt – muss kein Auto sein. Auf den Straßen sind oft Spuren markiert, aber Jordanier sind flexibel und ziehen die Mitte vor. Hüten Sie sich vor Fahrern in SUVs, die während der Fahrt telefonieren: Für die existieren Sie gar nicht.

Trotzdem ist es ein Riesenspaß, in Jordanien Auto zu fahren. Schon nach wenigen Wochen erschließen sich Ihnen geheime Regeln – und plötzlich ist alles ein leichter Tanz, ein anmutiges Blech-Ballett. Denn auf den Straßen herrscht gar nicht das Gesetz des Stärkeren. Jordanier sind extrem sozial, und auf dem Asphalt gelten dieselben Konventionen wie sonst. Wenn ein altes Männlein mit Beduinentuch auf dem Kopf in einem 40 Jahre alten Toyota durch die Hauptstadt juckelt, hat er eingebaute Vorfahrt. Lassen wir ihn vor!

Nur zur Rushhour, wenn alle zu viel Benzin eingeatmet haben, und im Ramadan, wenn alle zum Fastenbrechen zu Hause sein wollen, ist es ein Dschungel.

Die Königsdisziplin ist der Weg durch die sieben Kreisverkehre der Hauptstadt Amman, wo Autos im rechten Winkel aufeinanderprallen. Wenn elegante Verkehrspolizisten mit blitzenden Sonnenbrillen rätselhafte Gesten machen. Es ist herrlich.