Schon öfter hat das ECCHR versucht, die Menschenrechtsverletzungen des geheimen Entführungs- und Foltersystems der CIA mit Mitteln des Strafrechts aufklären zu lassen. Vor drei Jahren hat der Geheimdienstausschuss des US-Senats die systematische Folter durch die CIA bestätigt. "Durch die Veröffentlichung des Namens Gina C. Haspel sowie ihrer Funktionen hat sich ein dringender Tatverdacht gegen sie erhärtet", heißt es in der Strafanzeige des ECCHR, die der ZEIT vorliegt.

Zwischen 2001 und 2009 hatte die CIA vor allem im Nahen Osten, in Afrika, Asien, aber auch in Mazedonien, Italien und Schweden mehr als 130 Männer gewaltsam entführt. Mit geheimen Flugzeugen wurden sie in sogenannte black sites, Geheimgefängnisse, in Afghanistan, im Irak, in Litauen, Polen, Rumänien und Thailand verschleppt – um sie dort unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit völkerrechtswidrig festzuhalten, zu befragen und zu foltern. Mindestens zwei Personen starben an den Folgen dieser Misshandlungen.

"Überall war Blut, über seinen ganzen Körper, überall im Bett, es tropfte sogar unter das Bett", erinnerte sich der CIA-Agent John Kiriakou später, der bei der Festnahme von Abu Subaida beteiligt war. Abu Subaida geriet in den Fokus der Dienste, weil er Ausbildungslager für islamistische Untergrundkämpfer in Afghanistan betrieben und als angeblicher Militärchef von Al-Kaida ein islamistisches Terrornetzwerk im Nahen Osten aufgebaut haben sollte.

Die CIA glaubte, dass der angebliche "Oberleutnant von Al-Kaida" enge Verbindungen zu Osama bin Laden habe und genaue Kenntnisse über künftige Anschläge auf die USA besitzen müsse. Darum verschleppte der Geheimdienst Abu Subaida nach Thailand und ließ ein extra geschultes Verhörteam einfliegen, um seinen Widerstand zu brechen.

Gina Haspel schuf dafür die geeignete Umgebung: einen weißen Raum mit Rundum-Beleuchtung, in dem den ganzen Tag laute Rockmusik laufen sollte. Abu Subaida sollte am Schlafen gehindert werden. Seine Wärter trugen schwarze Uniform sowie Sturmhaube und kommunizierten per Handzeichen untereinander – auch das eine Strategie des Reizentzugs, um ihn sozial abzuschirmen. Er musste nackt in der kalten Zelle sitzen und war mit Handschellen und Fußfesseln fixiert.

Doch all diese Methoden brachten keine Erkenntnisse für die CIA. Abu Subaida schwieg. Und kam dann in Isolationshaft, 47 Tage lang.

Nur eine Person hätte die besondere Behandlung des prominenten Gefangenen stoppen können: Gina Haspel. Aber das tat sie nicht. Dass sie über den schlechten gesundheitlichen Zustand Abu Subaidas Bescheid wusste, zeigt ein Telegramm, das die CIA-Beamten nach zehn Wochen Folter aus dem Geheimgefängnis in die Zentrale sandten: "Für den Fall, dass [Abu Subaida] stirbt, müssen wir vorbereitet sein." Wer das gesamte Memo liest, das im CIA-Folterbericht des US-Senats zitiert wird, erkennt das schlechte Gewissen der Peiniger, mindestens zwischen den Zeilen. Ihnen allen schien bewusst zu sein, dass sie die Grenzen des Rechts bereits weit überschritten hatten. Die Nachricht endet mit den Worten, dass die CIA-Beamten "die Zusicherung erhalten müssen, dass Abu Subaida für den Rest seines Lebens isoliert bleiben wird". Bis heute ist er im US-Terrorgefängnis Guantánamo inhaftiert.

Sein Martyrium setzte sich auch nach den Wochen in Isolationshaft fort. Weil der angebliche Al-Kaida-Insider immer noch nicht über Hintermänner und Anschlagspläne ausgepackt hatte, genehmigte Präsident George W. Bush der CIA, nun noch härtere Bandagen anzulegen. Der Gefangene war von nun an eine Art Versuchskaninchen für zehn neue "erweiterte Verhörmethoden".

Gemeint waren weitere Folterpraktiken. Plötzliches Gegen-die-Wand-Schleudern. In kleine Kisten einsperren. Ins Gesicht schlagen. Windeln anlegen. Einsatz von Insekten. Schlafentzug. Und: Waterboarding. Dabei wird das Ertrinken simuliert, indem das Opfer auf ein Brett geschnallt und mit angehobenen Füßen und einer Zellophanfolie über dem Gesicht ständig mit Wasser übergossen wird.

In Gina Haspels Foltergefängnis in Thailand wurde Abu Subaida 83 Mal dem Waterboarding unterzogen – innerhalb eines Monats. Haspel selbst war anwesend, als sich ihr Gefangener übergeben musste, bewusstlos wurde und auf sich selbst urinierte vor Stress und Angst. Daraufhin verspottete sie Abu Subaida und beschuldigte ihn, den Zusammenbruch nur vorzutäuschen. Die Folter wurde fortgesetzt.

Doch auch das brachte keine Erkenntnisse. Wusste Abu Subaida möglicherweise nichts, was er verraten konnte? Das Geheimdienst-Komitee des US-Senats stellte Jahre später fest, dass Qualität und Quantität der von Abu Subaida gelieferten Informationen während und nach der Anwendung der "erweiterten Verhörmethoden" unverändert blieben und diese keine "bedeutenden Ergebnisse" geliefert hatten, wie die CIA bis dahin behauptet hatte.

Abu Subaida und ein weiterer Gefangener aus Cat’s Eye wurden nach Monaten in ein Geheimgefängnis in einem polnischen Wald in den Masuren verlegt, später nach Guantánamo. In Haft verlor Abu Subaida sein linkes Auge. Der Karriere von Gina Haspel hat dieser Fall nicht geschadet: Sie wurde zur Stabschefin des Einsatzleiters Counterterrorism Center der CIA in Langley berufen – und sorgte in dieser neuen Funktion dafür, dass belastende Belege der Folterungen verschwanden. Sie befahl, alle 92 Videobänder zu vernichten, auf denen die Qualen der Gefangenen von Cat’s Eye festgehalten waren.