In Totar Bagh, dem Dorf von Uddin, hat ein Bewohner einen arsenfreien Brunnen vom Staat erhalten. Der "Glückspilz" heißt Piar Ali Shaheb. Der Bauunternehmer strahlt Selbstbewusstsein aus; er ist örtlicher Vertreter der Regierungspartei. Andere hatten sich ebenfalls beworben, aber Shaheb erhielt als Einziger den Zuschlag. Die Frage, ob ihm seine politischen Verbindungen geholfen hätten, beantwortet er grinsend: "Ja, definitiv."

Ein anderer Bewohner nähert sich langsam. Er kommt von der Feldarbeit, ist schweißgebadet und erzählt, dass er einem Lokalpolitiker Geld gab, um einen sauberen Brunnen zu erhalten. Bis heute sei nichts passiert, schimpft er lauthals. Shaheb reagiert darauf schulterzuckend: "Da hast du dein Geld wohl dem falschen Kerl gegeben."

Als Reaktion auf den Bericht von Human Rights Watch erklärte der Minister für ländliche Entwicklung – gleichzeitig der Abgeordnete von Faridpur –, dass in der jüngeren Vergangenheit niemand an Arsen gestorben sei. Ärzte des Faridpur Medical College Hospital erzählen etwas anderes: Viele ihrer Patienten hätten Gesundheitsprobleme, deren Ursache Arsen sein könnte. Allein in einer Familie, die 20 Jahre vergiftetes Wasser getrunken hatte, seien vier Menschen kurz nacheinander gestorben.

Nicht nur die Regierung bekämpft die Krise halbherzig, auch das Interesse der internationalen Hilfsorganisationen und staatlichen Geldgeber ist erlahmt. Warum ist das Thema verschwunden?

"Theoretisch könnten wir das Problem in 10 bis 15 Jahren lösen. Aber obwohl wir seit 22 Jahren daran arbeiten, ist noch immer eine große Menge von Menschen gefährdet. Das ist frustrierend", sagt Ahmed, der Geologe aus Dhaka.

Sein Kollege Peter Ravenscroft arbeitet für Unicef und die WHO, kaum jemand kennt das Problem besser als er. Er mahnt an, den "Faktor Unternehmenspsychologie" zu beachten. Das Problem sei so groß, dass viele Beamte davor zurückschreckten. Wer sich mit Entwicklungshilfe befasse, müsse heutzutage nachweisen, dass Investitionen zu positiven Resultaten führten. Unerwünschte Nebenwirkung dieser Pflicht: Staatsdiener investieren nur noch ungern in komplexe Themen, für deren Lösung es Zeit braucht. "Sie haben Angst, Verantwortung für ein Problem zu übernehmen, das mächtig erscheint."

Unicef zeigt, dass es durchaus anders geht. Nördlich von Dhaka, in Batachow, installierte das Kinderhilfswerk ein Leitungsnetz, das zentral aus einem Klärwerk gespeist wird. Früher war das Wasser im Dorf fast flächendeckend verunreinigt – 85 Bewohner hatten eine Arsenvergiftung. Heute beziehen 2.000 Personen dort sauberes Trinkwasser.

Allerdings obliegt es mittlerweile dem Dorf selbst, das Geld für den weiteren Betrieb zu besorgen. Die Kosten pro Familie liegen bei 50 Taka, knapp 60 Cent, monatlich. Gut investiertes Geld, wie die Einwohner finden. Die Menschen seien begeistert, sagt Mamunur Rashid, Mitglied im Wasserausschuss des Dorfes: "Eine derartige Lösung für unsere Wasserversorgung hätten wir uns nicht einmal im Traum vorstellen können."

Übersetzung von Matthias Schulz