1. Was läuft besonders gut in Magdeburg?

Kevin Bornkampf, 27, holt gerade sein Abitur nach – und lebt in Magdeburg wie ein König

"Ich weiß nicht, ob ich irgendwo sonst so gut wohnen könnte wie in Magdeburg. Das Leben kostet nicht viel – das Mieten ist spottbillig. Wir teilen uns zu fünft 236 Quadratmeter, sechs Zimmer, Wohnküche, zwei Bäder, und zahlen warm knapp 1500 Euro. Das sind 6,35 Euro pro Quadratmeter! Unsere Wohnung liegt in einem ehemaligen Bürogebäude. In Magdeburg findet jeder günstig Wohnraum, jede Studi-WG hat ein großes Wohnzimmer. In unserem steht ein lebensgroßes Pferd aus Glasfasern. Warum? Es passt halt rein. So gibt’s hier immer Neues zu entdecken. Alle drei Monate feiern wir bei uns eine große Party, mit vernünftigen DJs und Anlagen und bis zu 300 Gästen. Unsere WG ist auch im letzten Magdeburger Polizeiruf aufgetaucht. Die ARD hatte eine verruchte Männer-WG gesucht. Es war die Wohnung eines Verdächtigen, der hier verhört wurde."

2. Wird Magdeburg unterschätzt?

Norbert Eisold, Kurator und Kunsthistoriker in Magdeburg, über die verborgenen Reize der Stadt

DIE ZEIT: Herr Eisold, über Magdeburg denken viele, die Stadt sei hässlich. Vorurteil oder Wahrheit?

Norbert Eisold: Sicher ein Vorurteil. Magdeburg steckt in der Schublade "leer und grau". Aber Magdeburg ist ja nicht nur Plattenbau. Es gibt Gebäude aus der Nachwendezeit, das romanische Kloster, den ersten gotischen Dom Deutschlands. Und das Gesellschaftshaus im Klosterbergegarten, das nach Entwürfen von Schinkel gebaut worden ist, symbolisiert für mich den Aufbruch in die Moderne. In Magdeburg stehen Bauten aus den verschiedenen Jahrhunderten nebeneinander, auch viele Stalinbauten. In Berlin sind die Hype. Hier werden sie bislang wenig gewürdigt. Bei Magdeburg muss man zweimal hinschauen.

ZEIT: Was sieht man dann?

Eisold: Dann entdeckt man eine Schönheit, die aus Widersprüchen und Spannungen wächst. Die Falten hat, Brüche und Leerstellen. Mich ärgert, wenn Menschen nicht sehen, was man daraus machen kann. Magdeburg ist eine Stadt in Möglichkeitsform. Aber die Stadt weiß es manchmal selbst nicht.