Zuerst die gute Nachricht: Deutschlands Lehrer sind keine Technikmuffel. 95 Prozent von ihnen finden den Einsatz von Computern im Unterricht grundsätzlich gut.

Nun die schlechte Nachricht: 40 Prozent von ihnen haben jahrelang keine Fortbildung zu neuen Medien im Unterricht besucht. Der Wille ist stark, aber der Geist ist schwach.

Nachzulesen ist das im neuen Mint-Nachwuchsbarometer. Forscher um den Potsdamer Techniksoziologen Ortwin Renn haben diesen Bericht zur Lage der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) vorgelegt; Auftraggeber sind die Körber-Stiftung und acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.

Die Untersuchung stimmt nachdenklich. So nutzen 73 Prozent der Neuntklässler zu Hause den Computer fast täglich, aber nur ein Prozent von ihnen tut das auch in der Schule. Viele Eltern sind dabei hilflos: 39 Prozent von ihnen haben nicht geregelt, wie viel Zeit die Kinder online verbringen dürfen, 29 Prozent stoßen nach eigener Aussage bei der Nutzung digitaler Geräte an Grenzen und haben nicht geklärt, was sich die Kinder im Netz ansehen dürfen.

Mit der rasanten Entwicklung der Technik hält derweil auch die Ausstattung mit Computern in den Schulen nicht Schritt. Vielerorts fehlt es an Personal, um die Geräte zu warten, und vor allem: Es fehlt an didaktischen Konzepten, wie denn dem digitalen Wandel zu begegnen sei; nur die Hälfte der Schulen verfügt über ein Medienkonzept.

Alarmieren sollte vor allem der Befund der Forscher, dass es weiterhin nicht genug Lehrkräfte für die Mint-Fächer gibt und eine Besserung nicht in Sicht ist. Besonders kritisch ist die Lage an den Berufsschulen: Nur 20 Prozent der angehenden Berufsschullehrer lassen sich für Mint-Fächer ausbilden.

Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Wer in den Mint-Fächern fit ist, den lockt die Wirtschaft mit lukrativen Jobs, und die Schulen haben das Nachsehen. Wer soll dann die Fachkräfte von morgen ausbilden? Den Wettlauf ums höhere Gehalt haben die Lehranstalten schon am Start verloren. Also müssen sie mit anderen Vorzügen punkten. Wer sich als Bildungspolitiker beweisen will: Hier sind Ideen und Tatkraft gefragt.

Trotz groß angelegter Mint-Werbekampagnen, auch das zeigt der Bericht, bleiben die Leistungskurse in Physik, Informatik und Chemie in der Hand der Jungs. Wer die Mädchen und jungen Frauen dafür gewinnen will, Ingenieurinnen oder Physikerinnen zu werden, der muss sich mehr einfallen lassen als das übliche "Mädchen können das auch". Viele von ihnen nämlich können zwar, aber wollen offensichtlich nicht.