Man muss sich den Weg zur Elbvertiefung vorstellen wie ein Märchen: Dem Helden winken Reichtum, Macht und Glück – aber erst nach Lösung dreier fast unlösbarer Aufgaben, die ein böser Zauberer ihm stellt, ersatzweise das Bundesverwaltungsgericht.

Vergangene Woche hat der Hamburger Senat verkündet, er habe nach langer Suche eine neue Ausgleichsfläche für den Schierlings-Wasserfenchel gefunden – darum geht es in der ersten Aufgabe. Der Schierlings-Wasserfenchel ist ein im Wortsinn umtriebiges Gewächs, die Sporen treiben herum und siedeln mal hier, mal da – vorausgesetzt, die Wassertiefe stimmt, die richtigen Pflanzen wachsen in der Umgebung, das Wasser ist weder zu süß noch zu salzig und hat auch noch den richtigen Tidenhub. Solche Uferzonen gehen durch die Elbvertiefung verloren. Also müssen Ausgleichsflächen her.

Dummerweise sind nach mehreren Elbvertiefungen und anderen wirtschaftsdienlichen Umbauten am Flussbett kaum noch geeignete Gebiete übrig. Das Land will nun einige Becken eines stillgelegten Wasserwerks am Rand des Hafens planmäßig verwildern lassen, mit dem Elbstrom verbinden und so einen Ort schaffen, an dem sich die Pflanze ansiedeln kann. Wenn die Umweltverbände nicht noch einen Weg finden, diese Ausgleichsmaßnahme rechtlich anzugreifen, hat das Land die erste Aufgabe gelöst.

Ist das jetzt der Durchbruch für die Elbvertiefung, wie es vergangene Woche verschiedentlich hieß? Noch lange nicht. Die erste Aufgabe war die leichteste. Denn die Lösung liegt auf Hamburger Gebiet.

Erheblich komplizierter ist die nächste Aufgabe: Auch am niedersächsischen Elbufer müssen Ausgleichsmaßnahmen für den Schierlings-Wasserfenchel her. Das Problem ist, dass die infrage kommenden Flächen zum Landkreis Stade gehören und Teil eines sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebiets sind – und was haben die Niedersachsen dort vor? Genau: "Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Schierlings-Wasserfenchel-Vorkommen", so steht es in einem mittlerweile sieben Jahre alten Bewirtschaftungsplan.

Passt doch gut? Nein, passt überhaupt nicht. Wenn der Wasserfenchel ohnehin gefördert wird, worin besteht dann der Ausgleich für die Elbvertiefung?

Im Prinzip sollte das kein Problem sein, man müsste der Pflanze ihr Dasein ja bloß noch etwas mehr erleichtern und die zusätzliche Förderung zur Ausgleichsmaßnahme erklären. Nur müssten die Niedersachsen dazu bekannt geben, was sie selbst mit dem Schierlings-Wasserfenchel vorhaben. Das haben sie bislang nicht getan. Schlimmer noch, die Landesregierung in Hannover und der als Naturschutzbehörde zuständige Landkreis Stade streiten darüber, ob sie zu einer solchen Erklärung überhaupt verpflichtet seien.