Gehören Sie zu den Menschen, die ungern in der Innenstadt einkaufen, weil es ihnen dort zu voll ist? Vielleicht sollten Sie sich den 7. und 8. Juli vormerken. Wenn wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt beim G20-Gipfel die Staatschefs tagen, dürfte es nebenan in der Innenstadt nicht viel Gedränge geben.

Die Gipfeltage als Einkaufsgelegenheit? Wer diesen Gedanken zurzeit nur äußert, der erntet schon fassungslose Blicke. Zwei Wochen vor dem wichtigsten politischen Spitzentreffen des Jahres schwankt die Stimmung in der Stadt zwischen Anspannung und bemühter Entspanntheit. Die Behörden beschwichtigen. Aber Gelassenheit fällt vielen schwer, das zeigt ein Gang durch die Innenstadt, wo die Geschäftsleute derzeit diskutieren, ob und wann sie ihre Läden während der G20-Tage öffnen.

In der Mönckebergstraße betreibt Daniela Grabas-Rönn ein Blumengeschäft. Während des Gipfels bleibe das Geschäft geschlossen, kündigt ein Zettel im Schaufenster an. "Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht", sagt die Händlerin. Vor zwei Jahren ist eine Demonstration vor ihrer Tür eskaliert. Ohne Vorwarnung füllte sich damals binnen weniger Minuten die Straße mit Polizei, gewalttätige Demonstranten warfen Kerzen aus ihrer Auslage auf Beamte, Passanten flüchteten in den Laden. "Das hat mir Angst gemacht, das möchte ich nicht noch mal erleben."

G20-Gipfel in Hamburg

Während des Gipfels werden zwei Sicherheitszonen eingerichtet – rund um den Tagungsort in der Messe und um die Elbphilharmonie (Hafen-City).

Viele Inhaber und Mitarbeiter der gut 1.000 Geschäfte in der HafenCity und der Innenstadt sind verunsichert. "Die City verbarrikadiert sich", behauptet die Morgenpost, Karstadt lasse die Schaufenster zunageln, der Eingang solle mit einem Bauzaun abgeriegelt werden. Ob das stimmt, ist unklar. Karstadt reagierte auf Anfrage nicht. Doch viele Händler haben das gelesen und sind nun erst recht verunsichert.

Inhaber kleinerer Läden orientieren sich gern an den großen Häusern und Ketten. Aber H&M, C&A und Saturn erklären auf Anfrage nur, sie seien noch in der Abstimmung ihrer Sicherheitskonzepte. Auch die Geschäftsführung von Galeria Kaufhof sagt nichts, doch in der Stadt wird erzählt, das Kaufhaus wolle seine Schaufenster ebenfalls verrammeln.

Die City als Geisterstadt mit vernagelten Auslagen? Brigitte Engler ärgert sich über vieles, was derzeit erzählt und berichtet wird. Sie ist Geschäftsführerin des City Managements, einer Interessenverbindung der Geschäftsleute der Innenstadt, und hält die Warnungen für Alarmismus. "Viele Händler haben eine klare Meinung: Wenn die Welt auf Hamburg blickt, wollen wir uns nicht mit geschlossenen Türen präsentieren", sagt sie. Mehr als 400 Geschäfte haben sich bereits darauf geeinigt, an den Gipfeltagen zwischen 10 und 18 Uhr zu öffnen. Engler rechnet damit, dass es noch deutlich mehr werden. Geschlossene Geschäfte würden die absolute Ausnahme bleiben.