Was sind die Facebook-Daten eines Menschen wert? Derzeit 19 Euro. Für diesen Wert würden Verbraucher ihre Daten verkaufen, hat eine aktuelle Studie der Open Knowledge Foundation ergeben. Für besonderen Schutz wären einige Nutzer bereit, monatlich immerhin zwei Euro zu bezahlen. Das ist nicht viel, bedenkt man, wie tief der Einblick in unser Privatleben ist, den diese Daten gewähren.

Allerdings sind solche Zahlen nur eine erste Annäherung. Ein verlässliches Modell, um den monetären Wert persönlicher Daten zu bestimmen, existiert nicht. Insofern spiegeln sie kaum einen echten Marktpreis wider, sondern zeigen eher die Unsicherheit des Einzelnen im Umgang mit seinen Spuren im Netz.

Millionen Menschen nutzen Online-Dienste, sind von Komfort und Nutzen überzeugt. Aber sie verlieren zunehmend das Vertrauen in den Umgang der Unternehmen mit Daten. Es mangelt an Transparenz: Habe ich als Einzelner noch die Kontrolle? Habe ich eigentlich die Wahl? Sind meine Daten sicher? Was geschieht, bleibt meist in einer Blackbox verborgen.

Im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen haben wir die Konsequenzen dieser Debatte für den Alltag von Bürgern diskutiert und stellen sie in unserem aktuellen Gutachten vor. Unser Gremium, das die Bundesregierung berät, ist der Auffassung: Eine neue Balance ist dringend nötig – zwischen komfortabler Nutzung und der Hoheit über die eigenen Daten. Ziel muss es sein, eine größere Transparenz und Wahlfreiheit zu schaffen – und damit eine höhere digitale Souveränität zu erreichen. Letztere beschreibt die Möglichkeit eines Individuums, frei, kompetent und verantwortungsvoll in der digitalen Welt zu handeln.

Eine unserer Handlungsempfehlungen ist deshalb ein verbraucherzentriertes Datenportal. Künftig soll jeder Bürger einen einfachen Zugriff auf seine Daten bekommen. Jeder soll sehen können, auf welchen Portalen er vernetzt ist, wem er erlaubt hat, seine Daten zu nutzen, – und diese Entscheidung im Laufe der Zeit wieder rückgängig machen können.

Dies ist ein pragmatischer Ansatz, um mehr Datensouveränität zu erreichen: Jeder hätte über das Portal, über eine zentrale Anmeldung, den vollen Zugriff auf seine vernetzten Daten, die von unterschiedlichen Diensten erhoben werden. Dabei geht es etwa um Adressdaten, um die Liste der Suchbegriffe, die man bei Google oder Bing eingegeben hat, oder um die Liste der eigenen Online-Einkäufe. Der einzelne hätte eine Übersicht über sein Verhalten im Netz – welche Websites er wann besucht hat, welche Informationen bestimmte Handy-Apps sammeln.

Unternehmen würden Informationen, die sie über einen Verbraucher gespeichert haben, auf diesem Datenportal spiegeln. So würde auch das mühsame Einloggen bei jedem einzelnen Anbieter entfallen, das heute notwendig ist, wenn man sich einen Überblick verschaffen will.

Mit so einem Datenportal könnte ein Bürger seine Daten auch zentral löschen, ändern und die Zugriffsrechte verwalten, es würde Transparenz herrschen.

Darüber hinaus sollte dieses Portal auch in der Lage sein, Empfehlungen abzugeben, wenn jemand einen neuen Dienst oder eine neue App nutzen möchte. Werden persönliche Daten dort in angemessener Weise genutzt – oder gibt etwa meine Taschenlampen-App zu viele Informationen an die Werbeindustrie frei?

In einer einfachen Übersicht könnte so deutlich werden, ob ein neuer Dienst den persönlichen Vorstellungen von Datenschutz und Privatsphäre genügt oder eben nicht. So würde mir vielleicht statt WhatsApp ein anderer Messaging-Dienst vorgeschlagen, der meinem Profil eher entspricht.

Hat der Einzelne auf diese Weise erst einmal eine größere Souveränität gewonnen, könnte er viel besser entscheiden, mit wem er seine Informationen teilen möchte. Oder wem er sie vielleicht sogar verkauft. Auch die Möglichkeit einer Datenspende – zum Beispiel der eigenen Gesundheitsdaten für die Forschung – wäre denkbar.

Ein solches Datenportal ist noch fern, aber die Diskussion darum gewinnt an Kraft. Ein internationales Bündnis setzt sich längst für mehr digitale Souveränität ein, es heißt mydata.org und will die heutige Logik der Digitalwirtschaft umdrehen. Nicht die großen Online-Plattformen sollen den Überblick haben, sondern auch der Nutzer. Und in diesem Punkt liegt das Bündnis richtig.

Für die deutsche Verbraucherpolitik ist zentral, dass Wahlfreiheit und Selbstbestimmung ermöglicht werden – und so die Blackbox der Datennutzung geöffnet wird.