DIE ZEIT: Frau Schmidt, Ihr Vater hat mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing 1975 den G-Gipfel erfunden, damals noch als G6. Haben die Zusammenkünfte etwas bewirkt?

Susanne Schmidt: In den ersten Jahren schon. Das waren kleine, intime Treffen, man konnte offen miteinander reden, sich auf Diskretion verlassen, keiner twitterte unterm Tisch. Und es gab ein Grundverständnis von gemeinsamer Verantwortung. Nun war die Gruppe ja auch noch viel kleiner und homogener als heute. Sechs und dann sieben Länder statt 20, alle hoch industrialisiert, mit stabilen rechtsstaatlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Damals saßen Regierungschefs zusammen, die zwar ihre nationalen Interessen vertraten, aber nicht im Gespräch punkten wollten, um das nachher zu Hause als großen Sieg und staatsmännische Superleistung zu verkaufen.

ZEIT: Anfangs waren die Treffen ganz bewusst eine kleine Veranstaltung ohne Bürokraten, inzwischen sind sie der Abschluss eines riesigen bürokratischen Prozesses. In Hamburg werden rund 6.500 Delegierte erwartet, dazu mehr als 3.000 Journalisten. Ist dieser Zirkus wirklich nötig?

Schmidt: Das habe ich auch gelesen: 10.000 Menschen werden erwartet, darunter Tausende Journalisten und Lobbyisten. Was für ein Unfug! Das ist absolut kontraproduktiv. Auch das Abschlusskommuniqué ist normalerweise schon lange vor dem Treffen druckreif. Wobei – mit der neuen amerikanischen Regierung wird das diesmal vielleicht nicht so klappen.

ZEIT: Ihr Vater hat den Gipfel als kleine Runde der Verständigung gedacht. Inzwischen verständigen sich die Staatschefs auf Kosten der Verständigung innerhalb der Bevölkerung: Hamburg will Demonstrationen in der Innenstadt während des Gipfels verbieten, der Streit darum beschäftigt die Gerichte. Können Sie das Demonstrationsverbot nachvollziehen?

Schmidt: Aber absolut. Diese Art von Gipfeln ist doch in den letzten 15 Jahren zum Albtraum für alle geworden, die für die Sicherheit der Teilnehmer und der Bevölkerung zuständig sind. Ob das der Polizist auf der Straße ist oder der zuständige Innensenator, die machen doch alle drei Kreuze, wenn das vorbei und nichts passiert ist. Ich denke aber nicht, dass das auf Kosten der Verständigung innerhalb der Bevölkerung geht. Die meisten Menschen verstehen dieses Dilemma zwischen unserer gesetzlich verankerten Demonstrationsfreiheit und der staatlichen Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Jeder weiß, dass politische Gipfel leider auch militante Demonstranten anlocken, denen es nicht um die Sache geht, sondern nur um ihren eigenen Hass und ihre Zerstörungswut.