Womöglich schadet das ständige Starren aufs Jahrhundert-Ende ja: Soundso viel CO₂ in der Atmosphäre bis zum Jahr 2100 ... Beschränkung der Erderwärmung auf zwei Grad bis 2100 ... Anstieg des Meeresspiegels um soundso viel Meter bis 2100 ... Jeder kennt diese Formulierungen aus den Nachrichten über die Erforschung und eine mögliche Bewältigung des Klimawandels.

Das ist noch lange hin? Natürlich nicht. Wie es am Ende des 21. Jahrhunderts auf der Erde aussehen wird, entscheidet sich viel eher. Jetzt. Wirklich jetzt? Die Länge des Betrachtungszeitraums, das Ausmaß des Problems: Sie erzeugen geradezu ein Gefühl, dass dieses Jetzt ein irgendwie amorpher Zeitraum sein müsse. Jedenfalls länger als ein paar Jahre.

Tatsächlich bleiben kaum noch Jährchen. Wie sehr die Zeitachse zur Selbsttäuschung einlädt, führt Christiana Figueres vor Augen. Figueres hat bis 2016 das UN-Klimaprogramm UNFCCC geleitet. Sie steht nun einer Kampagne vor, die "Mission 2020" heißt und mahnt: #2020DontBeLate.

Mission was? "Sollten die Emissionen über [das Jahr] 2020 hinaus ansteigen oder auch nur gleich bleiben, die Temperaturziele von Paris würden nahezu unerreichbar", mahnt Figueres in einem Kommentar für die Wissenschaftszeitschrift Nature . Zu ihren Co-Autoren zählen die Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf.

Wie viel CO₂ die Menschheit noch ausstoßen kann, ohne die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu verfehlen, da gehen die Berechnungen auseinander. Der vorsichtigsten Kalkulation nach könnte das Budget binnen vier Jahren aufgebraucht werden, daher 2020. Dann gäbe es keinen Puffer mehr für die Übergangszeit des Ausstiegs aus fossilen Energieträgern. Dieser Puffer muss ganz eilig angespart werden. Nicht bald, sondern sofort, jetzt!