Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Wer in diesen Tage am Hohen Haus vorbeifährt, liest an der Fassade: "Baustelle Parlament". Diese zwei Worte sagen mehr als tausend Bilder. Nein, Baustelle ist keinesfalls metaphorisch zu verstehen, man macht jetzt tatsächlich Ernst mit der baulichen Sanierung. Die Demokratie weicht derweil in die Hofburg und in temporäre Ausweichquartiere auf dem Heldenplatz aus. Provisorische Legislative sozusagen, Demokratie im Container. Man wird bald sehen, wer aus diesem oder in dieses Big Brother- Parlament gewählt wird. Leider verzögert sich derzeit der Umbau noch etwas, denn bei den Baumeistern werden Preisabsprachen vermutet. Unglaublich, gerade bei diesem Projekt? Das Gemauschel kennt man vom Autobahnbau oder der Errichtung von Flughafenterminals, aber wenn es um den Tempel der Republik geht – da sollte der geschäftstüchtigste Bauunternehmer aus Ehrfurcht ehrlich werden. Jetzt wird es auch leichter, einen Parlamentssitz zu erobern: Ab August wird das Mobiliar des Sitzungssaales versteigert – ein Tipp für alle grünen Mandatare, die der eigenwilligen Basis zum Opfer gefallen sind. Ob die Sitze freilich auch künftig noch für den täglichen Gebrauch taugen, muss sich erst herausstellen. Die meisten sind durchgesessen von jahrzehntelangem schwerfälligem Sesselkleben. Nicht versteigert wird hingegen der Bundesadler. Der wird nicht einmal übersiedelt, eine Kopie wurde angefertigt, die wesentlich leichter ist als das Original. Die beauftragte Firma könnte sicher auch andere Symbole der Republik kopieren. Etwa den Zankapfel, der in keinem provisorischen Ministerrat fehlen sollte. Insgesamt ist diese republikanische Erneuerung also positiv zu bewerten: Wie bei jedem Umzug entledigt man sich des Überkommenen – Abgeordnete inklusive.