Das hatte Steve Jobs natürlich nicht beabsichtigt – oder auch nur geahnt –, als er T-Mobile in den ersten Jahren ignorierte. Doch ohne diese Entscheidung hätte es wohl keinen Beinahe-Deal mit AT&T gegeben, und das Unternehmen wäre wohl kaum an die finanziellen Mittel gelangt, um seine Netze verbessern können. Damit beseitigte es eine der Hauptursachen von Kundenbeschwerden.

Als T-Mobile ein paar Jahre später endlich auch iPhones verkaufen durfte, ging der Boom so richtig los: Die Lust aufs Surfen von unterwegs machte aus Apple das wertvollste Unternehmen der Welt und ließ Nokia kollabieren, das bis dahin zwar jedes dritte Handy auf der Welt verkauft hatte, Smartphones aber für eine vorübergehende Modeerscheinung hielt. Der Siegeszug des mobilen Internets verlagerte mehr und mehr Datenverkehr von den Fest- in die Funknetze und eröffnete den Netzbetreibern viele neue Perspektiven.

Durch den permanenten Ausbau bis zum heutigen Funkstandard LTE/4G wurden die Netze so stark, dass die Nutzer ihre Surfgewohnheiten komplett umstellten. 2014 gingen weltweit erstmals mehr Menschen mit mobilen als mit stationären Geräten online. Heute surfen Amerikaner im Durchschnitt pro Monat 87 Stunden auf ihrem Smartphone, aber nur noch 34 Stunden auf Desktop-Computern oder Laptops, hat die britische Marktforschungsfirma Ofcom herausgefunden.

Was sich mit dem iPhone und dem Aufbruch ins mobile Zeitalter allerdings nur sehr langsam verändern sollte, waren die Geschäftsgebaren der führenden Telefongesellschaften. Die Traditionsunternehmen – sowohl AT&T als auch Verizon führen ihre Entstehung auf den Telefonpionier Graham Bell zurück – waren es gewohnt, am längeren Hebel zu sitzen. Die Folge: Die Kunden ärgerten sich über schwer kündbare Verträge und hohe Extragebühren, die unvermittelt auf den Rechnungen auftauchten. Obergrenzen für die Datenübertragung behinderten die neuen mobilen Angebote und machten sie teuer. Nachdem Legere als Chef bei T-Mobile angeheuert hatte, habe er regelmäßig die Callcenter seines Unternehmens besucht und dort den Klagen der Kunden gelauscht, erzählt er gern.

Legere gibt zwar gerne den wilden Gegenpart zu den Anzugträgern in den Chefetagen der Konkurrenz, doch der Absolvent der Elite-Uni Harvard kann ebenfalls auf eine lange Karriere in der Branche zurückblicken – unter anderem bei AT&T. Seine Erkenntnis war so banal wie durchschlagend: Um Kunden anzuziehen, musste er die Angebote seines Unternehmens radikal vereinfachen.

Legere habe erkannt, dass die Telekommunikationskonzerne immer noch mit der Qualität ihrer Netze und ihrer Reichweite warben, obwohl die Unterschiede geringer wurden und für den Kunden eine immer geringere Rolle spielten, sagt die kalifornische Branchenanalystin Marisol Lopez. Zugleich wurden durch die neuen Smartphones andere Dinge wie Datenübertragungsraten und Textmessaging wichtig. "Legere traute sich, die Regeln der dominanten Branchenführer zu brechen", sagt Lopez. So bot T-Mobile als Erstes ein Smartphone an, das an keinen Vertrag mehr gebunden war. Legere legte nach mit Musik- und Videostreaming ohne weitere Gebühren, mit internationaler Nutzung ohne Zusatzzahlungen und anderen Extras.

Der Erfolg gibt T-Mobile mittlerweile Recht. Allein im jüngsten Geschäftsquartal stieg der Umsatz der Telekom-Tochter gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf fast zehn Milliarden Dollar. AT&T und Verizon sind mit 17 und 21 Milliarden Dollar zwar immer noch größer, doch der Trend spricht gegen sie. Bei AT&T fiel der Umsatz im selben Zeitraum um 4,4 Prozent, bei Verizon um fünf Prozent. Während T-Mobile rund 800 000 neue Kunden gewann, verlor Verizon 289 000 und AT&T sogar 348 000 Kunden. Wie deutlich T-Mobile im Vergleich zur Konkurrenz profitierte, zeigen die Aktienkurse. Seit 2007 ist der Börsenwert von T-Mobile von sieben auf 52 Milliarden Dollar angestiegen. AT&T und Sprint sind heute weniger wert. Verizon konnte seine Marktkapitalisierung zwar steigern, was aber vor allem an mehreren Zukäufen lag, die den Wert des Unternehmens nach oben getrieben haben.