Ganz wie Apple hat auch T-Mobile verstanden, dass das Produkt so simpel und benutzerfreundlich wie möglich sein muss. Und so wie Steve Jobs früher weiß Legere auch heute, wie man eine zeitgemäße Marke inszeniert und einem Unternehmen ein Gesicht gibt. Während der Apple-Gründer am liebsten im schwarzen Rollkragen auftrat, bevorzugt Legere die exzentrische Variante. Der Manager könne als "ehemaliges Mitglied der Rockband Kiss" durchgehen, beschrieb das US-Magazin Fast Company seinen Stil. Mehr als vier Millionen Fans folgen Legere auf Twitter – eine Million mehr als Ex-Beatle Paul McCartney. Selbst vor Aktionen, die eher zur Vermarktungsstrategie eines neuen Disney-Streifens passen als zu einem Funknetzanbieter, schreckt er nicht zurück. Wer will, kann den T-Mobile-Boss sogar als Puppe bekommen, samt Wuschelhaaren und pinkfarbenem T-Shirt.

In der Zukunft dürfte sich für T-Mobile noch einiges ändern. Die Bedeutung des mobilen Internets für die Menschen wächst jedenfalls stark. Einer Umfrage zufolge würde fast jeder dritte Amerikaner sogar lieber ein Jahr lang auf Sex verzichten, als seine mobilen Geräte abzugeben.

Neue Dienste werden entstehen, auch weil die Netze schneller und stärker werden. Die International Telecommunication Union, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet, befasst sich derzeit mit den letzten technischen Details für den nächsten globalen Funkstandard 5G. Der soll von 2020 an Übertragungsraten ermöglichen, die die aktuellen noch einmal um ein Vielfaches übersteigen und viele andere Innovationen befördern: die Digitalisierung der Industrie, das Internet der Dinge und das vernetzte Fahren, zum Beispiel. Sie alle brachten mehr Datenverkehr in die Netze der Mobilfunkanbieter.

Fürchten müssen sie allein, zu bloßen Versorgern zu werden. Für Investoren wären sie dann in etwa so unattraktiv wie Wasserwerke, die ein mehr oder weniger austauschbares Produkt bieten und sich nur noch im Preis unterscheiden. Eine Reihe großer Übernahmen in der jüngsten Vergangenheit hat damit zu tun, dass die Unternehmen das verhindern wollen. Für gut 80 Milliarden Dollar will AT&T den Medienkonzern Time Warner übernehmen. Verizon hat erst AOL übernommen, die Mutter aller Internetportale, und nun noch ein weiteres Überbleibsel aus der Kreidezeit des Netzes: Yahoo.

Künftig wollen die Telekommunikationskonzerne nicht nur Daten übertragen, sondern über die Inhalte mitbestimmen. Die starren Grenzen zwischen den Branchen dürften sich weiter auflösen. Analystin Lopez hält es sogar für möglich, dass T-Mobile ein Übernahmekandidat für Streaming-Dienstleister werden könnte, die Videos über das Internet anbieten. Amazon oder Netflix würden sich damit einen eigenen mobilen Vertriebsweg schaffen. Und John Legere bekäme vielleicht endlich eine eigene Show.