Was können ein paar Kinder schon gegen den mächtigsten Mann der Welt ausrichten? Nicht viel, könnte man denken. Sie dürfen ja noch nicht einmal wählen. Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen in den USA mischt sich auf andere Weise in die Politik ein: 21 junge Menschen ziehen vor Gericht und klagen den Präsidenten Donald Trump und dessen Regierung an. Unter der Abkürzung #youthvgov, was so viel heißt wie "Jugend gegen die Regierung", fordern sie besseren Umweltschutz, damit die Kinder von heute auf der Erde eine Zukunft haben. Wenn sie mit ihrer Klage Erfolg haben sollten, müssten die USA mehr tun, um den Klimawandel aufzuhalten.

Donald Trump hat vor wenigen Wochen das Gegenteil verkündet. Aus einem wichtigen Abkommen, auf das sich viele Länder geeinigt hatten, will er aussteigen. Das Klima schützen? Für Trump offenbar nicht wichtig. Für die Kinder umso mehr. Forscher sind sich sicher, dass die Folgen des Klimawandels in einigen Jahren noch deutlicher werden. Weil es überall auf der Erde wärmer wird, schmilzt das Eis an Nord- und Südpol, der Meeresspiegel steigt an, und in einigen Jahren könnten ganze Inseln im Wasser versinken. Auch die Zunahme von Stürmen, Hochwasser und Dürren ist eine Folge des Wandels. All das bedroht die Natur, viele Tiere und den Menschen.

Schuld am Klimawandel, auch da sind sich die Forscher einig, sind wir Menschen. Wir pusten zu viele Schadstoffe in die Luft, besonders das Gas CO₂. Es steckt in den Abgasen von Autos, Flugzeugen und Kohlekraftwerken. Und die USA gehören zu den Ländern, die am meisten CO₂ in die Welt blasen.

Deshalb fordern die 21 Kinder und Jugendlichen: Weniger Abgase! Strengere Gesetze für den Umweltschutz! Anfang nächsten Jahres soll es zum großen Prozess kommen. Bis es so weit ist, treffen sich die jungen Kläger regelmäßig, um sich vorzubereiten. Sie wohnen an verschiedenen Orten in den USA und haben sich alle schon vorher für den Umweltschutz starkgemacht. Um die Menschen auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, demonstrieren sie auf der Straße, halten Vorträge und geben Interviews. Auch mit ihrer gemeinsamen Klage wollen sie aufrütteln. "Wir müssen selbst etwas tun", sagt die zwölfjährige Sahara, "unsere Regierung kümmert sich ja nicht darum, unsere Zukunft zu schützen."

Ganz ohne Hilfe von Erwachsenen geht das alles aber nicht: Hinter den Kindern steht die Organisation Our Children’s Trust. Die sammelt Spenden und sucht Anwälte, die mit den Kindern vor Gericht ziehen. Wenn Jungen und Mädchen mit Plakaten durch die Straßen laufen und für den Umweltschutz werben, finden viele das toll. Tatsächlich etwas bewirken können Kinder dann aber doch nicht, sagen Kritiker: Vor Gericht seien die Anwälte entscheidend, das Urteil werde ebenfalls von Erwachsenen gefällt. Das stimmt, doch die Idee zu der Klage kam von den Kindern. "Ohne sie würden wir Erwachsenen uns gar nicht vor Gericht treffen", erklärt die Anwältin Elizabeth Brown. Sie berät die jungen Kläger und sagt: "Diese Kinder haben eine Menge Ahnung vom Klimawandel, sie verstehen das Problem viel besser als die meisten Erwachsenen."

Levi zum Beispiel. Er ist neun Jahre alt und der Jüngste in der Gruppe. Er lebt auf einer kleinen Insel vor der Küste von Florida und kann dort sehen, was der Klimawandel bewirkt. Levi bemerkt, dass die Meeresschildkröten immer weniger Platz zum Nisten haben, weil das Wasser die Dünen wegfrisst. Auch dass es in den Wäldern immer häufiger Brände gibt und dass starke Stürme wüten, bekommt Levi mit. Er versucht, zu tun, was er kann, sammelt Müll auf, hilft, die Dünen zu bepflanzen. "Ich arbeite hart dafür, unsere Natur zu schützen", sagt Levi, "und ich will, dass auch meine Regierung das tut."

Die aber versucht die Kinder und ihre Klage loszuwerden. Was die 21 jungen Menschen fordern, sei keine Frage für ein Gericht, sagt Trumps Team. Doch so leicht kommt die Regierung bisher nicht davon. Eine Richterin erklärte vor wenigen Wochen, dass die Kinder und Jugendlichen gute Argumente hätten und ihre Klage berechtigt sei.

Wer vor Gericht gewinnen wird, das kann heute noch niemand voraussagen. Gut möglich, dass sich der Prozess sogar mehrere Jahre hinzieht. Eins aber haben Levi, Sahara und die anderen jungen Kläger bereits erreicht: Viele Menschen hören ihnen zu. Und der ein oder andere fragt sich vielleicht auch, was er selbst für den Schutz der Umwelt tun kann.