Wenn man bei YouTube nach Chamäleons sucht, dann findet man einige spektakuläre Aufnahmen von Exemplaren, die ihre Farbe rasend schnell beliebigen Hintergründen oder Gegenständen, die man ihnen vor die Nase hält, anpassen. Die Haut des Reptils scheint wie ein Bildschirm aus Pixeln zu bestehen, die das Tier beliebig einfärben kann. Leider sind diese Videos hübsche Fälschungen, die Tiere wurden am Computermonitor eingefärbt.

Die Färbung der Haut des Chamäleons dient tatsächlich häufig Tarnzwecken – die meisten Arten sind grünlich oder bräunlich gefärbt, sodass das Tier in seinem natürlichen Lebensraum nicht besonders auffällt. Aber der Farbwechsel dient offenbar nicht dazu, noch weniger erkennbar zu sein. Im Gegenteil: Chamäleons wechseln die Farbe, um mehr aufzufallen. Die männlichen Tiere, bei denen diese Fähigkeit ausgeprägter ist, signalisieren den Weibchen ihre Paarungsbereitschaft und anderen Männchen ihren Kampfeswillen.

Forscher aus Australien und Südafrika haben diese Theorie im Jahr 2008 bestätigt und ihre Ergebnisse in PLOS Biology veröffentlicht. Sie beobachteten Chamäleons in der freien Natur oder setzten sie vor wechselnde Hintergründe und maßen den Grad des Farbwechsels mit automatischen Methoden. Ihre eindeutige Schlussfolgerung: "Wir fanden keinen Beleg für die Tarnungs-Hypothese."

Der Farbwechsel ist nicht nur ein Zeichen für die Stimmung des Chamäleons, die Tiere setzen die unterschiedlichen Farben auch zur Regulierung ihres Wärmehaushalts ein: Ist ihnen kalt, werden sie dunkler, um mehr Sonnenenergie zu absorbieren. Bei Hitze werden sie heller.

Manche Chamäleonarten erzeugen nicht nur grüne und braune Farbtöne, sondern auch leuchtende Blau- und Rottöne. Bisher dachte man, dass die Farben durch entsprechende Pigmente in den obersten Hautschichten zustande kommen. Doch vor zwei Jahren berichteten Forscher in Nature Communications von der Entdeckung einer tieferen Hautschicht, in der "photonische Nanokristalle" die blaue Farbe allein durch physikalische Lichtbrechung erzeugen.

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