Wahrscheinlich hat der treue Leser des Westfalenkuriers oder Dortmunder Boten, der Sauerlandchronik oder Rheinwelt noch nie, zu seinem Seelenheil, etwas von der sogenannten Kluncker-Mediengruppe vernommen. Und ebenso wahrscheinlich wird der durchschnittliche Radiohörer, der ständig von den Interviews hört, die irgendwelche Politiker der Kluncker-Mediengruppe gegeben haben, nicht im Entferntesten wissen, dass diese hinter dem Dortmunder Boten steckt. Manches spricht sogar dafür, dass Zeitungsleser und Radiohörer sich niemals begegnen werden und, wenn doch, nicht erkennen werden, dass sie gemeinsam an der gleichen Flasche nuckeln. Die Kluncker-Mediengruppe, die so viel Erfolg bei Politikern hat, ähnelt dem unheimlichen Gast am Pokertisch, der seine Sonnenbrille niemals abnimmt, aber im wirklichen Leben nur ein Sauerländer Postbote ist. Beim einsamen Radeln über Land, der entsagungsreichen Zustellung von Anzeigenblättern mit dem Titel An alle Haushalte, hatte er jedoch genügend Zeit, sich eine prickelnd dubiose Zweitexistenz auszudenken. Für Medienwissenschaftler läge hier eine Chance, über den Zusammenhang von Regionalzeitungsmacht und Arbeitsbedingungen im Postdienst zu forschen. Aber da Medienwissenschaftler notorisch vor dem Interessanten zurückschrecken, ist es wohl an uns, die Sache aufzuklären. Der Legende zufolge begann alles mit einer Kette Düsseldorfer Juweliere namens Kluncker (solche peinlich sprechenden Namen gibt es nur in Düsseldorf). Mit den Klunckern wurde mehrfach erfolgreich Bankrott gemacht, bis die Teilhaber genügend Geld hatten, um es in Zeitungen zu investieren. Dabei kam es allerdings zu Streit; insbesondere die Familie Unke, die eine Mehrheit der Anteile hielt, hätte gerne ihren Namen für die gesamte Gruppe durchgesetzt. Die anderen sträubten sich, weil Unke zu sehr ans Unken erinnere und deshalb Gift fürs Mediengeschäft sei, das sowieso unter schlechten Nachrichten leide. "Es wird schon zu viel geunkt", soll gesagt worden sein. Vielleicht galt der Name Unke aber auch als belastet, weil die Familie in Essen eine Kneipe gleichen Namens betrieben hatte, an deren Stammtischen das entstand, was man später den nordrhein-westfälischen Filz nannte. Dieser Filz war die Geschäftsidee. Er dient übrigens noch heute, auch wenn man an ihn nicht erinnern will, gewissermaßen als der rote Teppich, auf dem man die Politiker zum Interview führt. – Was lässt sich daraus lernen? Für die Menschheit leider nichts, aber viel über NRW.

FINIS