Der amerikanische Präsident reist zum G20-Gipfel nach Deutschland, die offizielle Agenda lautet: Klimawandel, Freihandel, Afrika. Die heimliche Frage aber ist: Wen wird Donald Trump diesmal fertigmachen?

Wird er einen anderen Regierungschef einfach zur Seite stoßen, wie er es im Mai mit dem Ministerpräsidenten von Montenegro tat? Wird Trump eine Frau beleidigen, so wie eben die Fernsehmoderatorin Mika Brzezinski? Was ist einem Präsidenten zuzutrauen, der eine Videomontage auf Twitter verbreitet, in der er eigenhändig einen Mann zusammenschlägt, der durch ein CNN-Logo vor dem Gesicht als personifizierter TV-Sender erkennbar ist? Und der dadurch seine Aggression auf Journalisten öffentlich demonstriert?

Im Netz lässt der amerikanische Präsident den inneren Troll heraus. Je mehr er sich verkannt fühlt, desto härter holt er aus gegen Kritiker. Und je brutaler seine Botschaften, desto lauter der Applaus seiner Anhänger. Eine halbe Million Likes hat Trump für das Prügelvideo bekommen – innerhalb von 24 Stunden. Zehnmal so viele wie für seine letzte Videoansprache. Ego-Schub für einen Staatschef, der politisch durch Lügen und Skandale auffällt.

Manche Trump-Anhänger sind so aufgestachelt, dass sie selbst gewalttätig werden: Im Mai riss ein Republikaner einen Guardian-Reporter zu Boden. Im April verteidigte sich ein Rechtsradikaler vor Gericht so: Er habe eine afroamerikanische Studentin bei einer Wahlkampfveranstaltung gestoßen und beleidigt, weil Trump es so gewollt habe.

Wie mag Putin über sein bevorstehendes Treffen mit Trump denken? Oder Xi Jinping? Oder Recep Tayyip Erdoğan? Seit je ermahnen die Amerikaner diese Potentaten, die Presse fair zu behandeln. Jetzt fühlen sich amerikanische Journalisten selbst an die Lage in Russland, China und der Türkei erinnert.

Schon seltsam: Da riegelt die Polizei halb Hamburg ab, um die Gewalt vom G20-Gipfel fernzuhalten. Die Autonomen und die Kurden müssen draußen bleiben. Der gefährlichste und unberechenbarste Wüterich aber wird hereingelassen. Und steht mitten auf der Bühne. Welch ein Vorbild.

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