Als er jung war, sagte er sich: Bloß keinen Bürojob. Das hat er jetzt davon. Hartmut Dudde sitzt in einem Raum, der an die Bodenstation einer Weltraummission erinnert. An der Wand hängt ein riesiger Bildschirm, auf dem die Bilder der Protestzüge eingespielt werden können, die Hamburg während des G20-Gipfels erwartet. Wenn an diesem Donnerstag Tausende Autonome durch die Stadt ziehen, werden sogar Aufnahmen eines Hubschraubers live in die G20-Kommandozentrale übertragen. An den halbrunden Tischen arbeiten zwei Dutzend dunkelblau Uniformierte. Und vorne in der Mitte, mit raspelkurzem Haar und pragmatischer Metallgestell-Brille: Hartmut Dudde, 54, Hamburgs oberster Polizeiführer und in diesen Tagen der Befehlshaber über das größte Sicherheitsaufgebot, das die Stadt je gesehen hat.

15.000 Beamte sind ihm während des G20-Gipfels unterstellt. Sie alle müssen Hartmut Dudde und seiner Einsatzstrategie vertrauen. Doch wer ist der Mann, der Hamburgs Frieden bewahren soll? Und wie will er das anstellen?

Hartmut Dudde arbeitet seit 33 Jahren bei der Polizei. Für viele Linke ist er in dieser Zeit zu einer Hassfigur geworden. So war an einem Infobrett des geplanten Protestcamps gegen den G20-Gipfel auf der Halbinsel Entenwerder zu lesen: "Dudde is n Kacklappen". Die Polizei hatte die Demonstranten kurz zuvor daran gehindert, das Camp aufzubauen.

Früher kontrollierte Dudde die Drogenszene am Hauptbahnhof, dann leitete er das Revier im Stadtteil Altona. 2005 wurde er Chef der Hamburger Bereitschaftspolizei, die fortan in dem Ruf stand, eher zu früh als zu spät einzuschreiten.

Grund dafür ist unter anderem die "Hamburger Linie", die Dudde mitprägte: Sobald bei einer Versammlung etwas Verbotenes geschieht und die Polizei davon Wind bekommt, greift sie durch. So stürmte sie am vergangenen Sonntagabend auch das Protestcamp in Entenwerder. Die G20-Gegner hatten eine Verfügung nicht beachtet, die das Aufstellen von Schlafzelten verbot. Konsequent, nennt Dudde so ein Vorgehen. Er eskaliere unnötig, sagen seine Gegner.

Während etwa in Berlin Vermummte bei Protestzügen manchmal noch weitermarschieren dürfen, wird in Hamburg ein Aufzug sofort gestoppt, sobald sich jemand eine Sturmmaske oder Ähnliches überzieht. Dann folgen: Lautsprecherdurchsagen, Wasserwerfereinsatz, Festnahmen. Beim Gipfel soll das nicht anders sein. "Wir werden das tun, was wir immer tun", sagte Dudde vor wenigen Tagen. "Wir nehmen die Täter fest. Ich kann ja nicht die Augen schließen und so tun, als würde ich Straftaten nicht sehen." Die Linie ist klar: Sich gar nicht erst auf der Nase herumtanzen lassen, sondern sofort eingreifen. Wie immer.

Seine Gegner halten Dudde für einen Ziehsohn des früheren Innensenators Ronald Schill, der als "Richter Gnadenlos" bekannt wurde und kompromisslos gegen jede Art von Gesetzesbrechern vorgehen wollte. Doch damit wird man dem Hamburger Einsatzleiter nicht gerecht. Denn Schill war längst wieder weg, als Duddes Aufstieg bei der Polizei richtig begann. Er wird seit Jahren von der jeweiligen Landesregierung geschätzt, egal ob die nun CDU- oder SPD-geführt ist. Denn seit dem Aufstieg Schills wollen sich die Regierenden der Stadt niemals wieder vorwerfen lassen, zu sanft zu sein im Umgang mit Straftätern. Also geben sie der Polizei einen harten Kurs vor. Dudde setzt ihn um und lässt sich dafür beschimpfen. "Als Projektionsfläche", wie der frühere Innensenator Michael Neumann (SPD) sagt.