Helme aus Stahl oder Plastik, Schlumpfmützen aus weißem Frottee, Skimützen mit Augenschlitz. Was Männer in diesen Sommertagen auf dem Kopf haben oder haben sollen oder nicht haben dürfen, ist zum Thema geworden. Was trägt man zu G20? Gelten Caps mit "Not my President" schon als Provokation? Geht eine Brooklyn Beanie aus Bio-Cotton durch, wenn sie in XXL daherkommt und notfalls wie ein Kondom über die gesamte Kopfzone zu ziehen ist, was Vermummung wäre? Merkwürdige Stille zum Thema Männer mit Kopftuch. Was jetzt alle Frauen mit Kopftüchern ungerecht finden. Da gibt es diese scharfen Debatten über Frauen unterm Kopftuch, und Männer dürfen bis an den Rand der Sicherheitszone, wenn sie ihr Kopftuch nur brav um den Hals tragen, obwohl sie es doch jeden Moment wie Butch Cassidy im Bankräuberstyling unter die Nase ziehen könnten. Die Kopftücher des muslimischen Mannes werden in den Medien unterberichtet, selbst in Krisen, die größer sind als ein G20-Gipfel.

In den vergangenen Wochen konnte man Männer sehen mit hochverdächtigen Kopfbedeckungen, also Saudis (rot-weißes Kopftuch), wie sie mit Donald Trump (orangefarbenes Fellchen) Hände schüttelten. Von Milliarden-Waffendeals war die Rede, niemand fragte, welche Zusammenhänge es mit der Kopfbedeckung gebe. Geschockte Kommentare, als sich die Golfmänner dann zusammenrotteten, um im Rudel gegen Katar vorzugehen, weil sie unter ihren Tüchern unklare Vorstellungen darüber ausgebrütet hatten, welche Fundamentalisten böse oder unterstützenswert seien: hier Saudi-Arabien, die Heimat von Osama bin Laden, dem Begründer von Al-Kaida, und dort Katar, das beschuldigt wird, Al-Kaida in Syrien zu fördern, die angeblich auch von Saudi-Arabien ihre Dollar bekommt. Osama bin Laden war Weiß-Kopftuch-Träger. Die Saudis tragen, wie gesagt, Rot-Weiß, in Bahrain scheint beides möglich, dazu legt man figurverhüllende Gewänder an, meist dunkel, nur in Abu Dhabi sind die Männer vom Scheitel bis zur Sohle in Weiß gewickelt. Niemand hält es für ein Zeichen von Männerunterdrückung.

Jüngst ging ein Saudi-Prinz mit 80 Jagdfalken an Bord eines Fliegers, es gab viele Fragen – sind sie ordentlich angeschnallt, was essen sie, in Ermangelung von Bordmäusen und Bordkaninchen. Keine Frage zur Kopfbedeckung. Vielleicht weil keine Frauen dabei waren, sondern nur der Falken-Harem? Was trugen die Vögelchen? Lederkappen! Styling wie fürs Cabrio. Anders als bei einer Burka gab es für die Falken noch nicht mal Sehschlitz, sondern die totale Sichtblende.

Ich selber bin der männlichen Kopfbedeckung sehr zugetan. Zu den Highlights meiner Kindheit gehörten Dorfbeerdigungen. Wenn die Glocken läuteten, wurde eine flache Schachtel vom Schrank geholt, in der sich ein Chapeau Claque verbarg, der mit einem Plopp aufsprang und sein schwarzes Fellchen zeigte. Los ging’s. Man konnte vom Küchenfenster aus die Männerzylinderparade bewundern. Auch Kopftücher trug die männliche Dorfbevölkerung, zu Karneval, sie signalisierten dann, im Chor mit Bartstoppeln und Fistelstimme, dass der Typ als Frau ging. Kleine Männer hatten Federkopfschmuck (Winnetou-Styling).

Zuletzt bekam ich Gelegenheit, im Dubai-Airport den männlichen Kopftuchträger zu studieren. Mit lasziven Handbewegungen hoben die Zollbeamten ihre langen Kopftücher hoch und wieder hoch und ließen sie über die Schulter fallen. Dazu trugen sie weite weiße knöchellange Gewänder und an den Füßen Pantoletten mit kleinen Absätzen. Zur gleichgeschlechtlichen Eheschließung könnten diese Herren nach der Schicht umstandslos antreten.

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