I. Was ein Kunstwerk teuer macht

Ein paar Fingerabdrücke um einen Fleck blauer Farbe: Das grafische Blatt Untitled (SF-58s) aus den frühen Siebzigerjahren sieht nicht aus, als hätte sich der 1994 verstorbene amerikanische Maler Sam Francis viel Mühe damit gemacht. Trotzdem wird sein Wert in einer Online-Auktion auf der Internetplattform Artnet auf 5000 bis 7000 US-Dollar geschätzt. Diese Schätzung nennt man Taxe. Wie aber kommt sie zustande? Für die Taxe eines Kunstwerkes werden verschiedene Kriterien herangezogen. Die Bedeutung des Künstlers ist ebenso wichtig wie die Qualität des konkreten Werkes, sein Erhaltungszustand und die individuelle Geschichte: Ist es beispielsweise seit dem ersten Verkauf im Besitz eines einzigen Sammlers geblieben, steigt es im Wert.

II. Besser nicht zu hoch ansetzen

Die Preisgestaltung durch das Auktionshaus hat allerdings auch Grenzen. Maßgeblich ist das vom Einlieferer verlangte Minimum, das dieser vom Verkauf erwartet. Die Taxe wird für gewöhnlich über diesem Wert angesetzt und lässt bei einer Differenz von bis zu 25 Prozent genügend Spielraum, falls kein Bieter den aufgerufenen Preis zu zahlen bereit ist. Eine realistische Einschätzung ist dabei vorteilhaft, denn sie animiert die Interessenten zum Einstieg in Bietgefechte, an deren Ende ein weit höherer Preis als erwartet stehen kann. Ist die Taxe dagegen zu hoch, steigt vor allem das Risiko für das Werk und seinen Einlieferer: Was sich im Saal vor aller Augen nicht verkauft, findet in nächster Zeit nur schwer erneut einen Platz im Auktionsgeschehen.

III. Vorher die Preise vergleichen

Die Taxe spiegelt also nicht nur die Expertise von Kunstkennern wider, sondern auch die Erwartungen der Verkäufer. Das sollte wissen, wer sich von der Taxe einen objektiven Wert erhofft. Es empfiehlt sich, in Datenbanken wie Artnet oder Artprice nach vergleichbaren, bereits versteigerten Kunstwerken zu suchen, bevor man ein Gebot abgibt. Auch ein angesehener Künstler wie Sam Francis hat nicht nur Meisterwerke geschaffen.