Wenn der eigene Nachname im sozialen Netzwerk Twitter zu einem der meistverwendeten Begriffe wird, dann ist das oft kein gutes Zeichen. So wie im Fall von Peter Tauber: Der CDU-Generalsekretär fand sich am Dienstag mitten in einem heftigen Shitstorm wieder, einer Welle des Protests, deren gemäßigtere Tweets so klangen: "Was #Tauber eigentlich sagen wollte: Eure Armut kotzt mich an!"

Dabei wollte Tauber nur die Werbetrommel für das neue CDU-Wahlprogramm rühren: Vollbeschäftigung sei doch viel besser als Gerechtigkeit, hatte er getwittert. Ein Nutzer antwortete: "heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?", worauf Tauber zurücktwitterte: "Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs."

Seitdem ergießt sich im Netz so viel Häme über den Politiker und promovierten Historiker, dass es ihm und seiner Partei schaden könnte. Was aber ist wirklich dran an seiner Behauptung?

Ein Minijob ist in den meisten Fällen einer, bei dem das Arbeitsentgelt im Monat 450 Euro nicht übersteigt, so legt es das Sozialgesetzbuch fest. Das Besondere daran ist, dass der Arbeitgeber den größten Teil der Steuern und Sozialabgaben trägt, während die Minijobber nur 3,7 Prozent ihres Lohns in die gesetzliche Rentenkasse zahlen, sie kriegen also netto etwa das heraus, was sie brutto verdienen. Auch dann, wenn sie parallel einen Job ausüben, in dem sie mehr als 450 Euro verdienen.

Diese Regeln machen Minijobs sehr attraktiv: Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass nur 51 Prozent der Minijobber eine geringfügige Beschäftigung ausüben, weil sie finanziell darauf angewiesen sind. Für etwa 22 Prozent handelt es sich um eine Nebentätigkeit, Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Laut einer Befragung des Forschungsinstituts RWI aus dem vergangenen Jahr unter mehr als 2000 Minijobbern in Nordrhein-Westfalen ist der Anteil der freiwilligen Minijobber womöglich noch höher: 65 Prozent der Befragten betrachten ihren Minijob als eine Möglichkeit, dazuzuverdienen; nur 14 Prozent gaben an, keinen anderen Job gefunden zu haben.

Minijobs sind also keinesfalls nur etwas für Berufstätige, die sonst keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit haben; das zeigt sich auch daran, dass laut RWI überhaupt nur 5,6 Prozent der Minijobber eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung anstreben.

Womit man bei der zentralen Frage ist: Handelt es sich bei der Gruppe der Minijobber, die gerne mehr arbeiten würden, um Menschen, die nichts "Ordentliches" gelernt haben? Würde eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium ihnen den Minijob ersparen, wie Tauber insinuiert?

So pauschal lässt sich das nicht belegen: Laut IAB besitzen 53 Prozent der Minijobber einen beruflichen Abschluss, etwa 8 Prozent sind Akademiker. Die Befragungen des RWI kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Auch unter den Minijobbern, die keine andere Arbeit gefunden haben, können zwei Drittel einen Berufsabschluss vorweisen. Es gebe keine Belege dafür, dass die notgedrungenen Minijobber ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau aufwiesen als andere Minijobber, heißt es beim RWI. All das zeigt, dass man auch dann zum Minijobber werden kann, wenn man etwas "Ordentliches" gelernt hat. Doch, und das gibt Tauber dann wenigstens etwas recht, ist die Wahrscheinlichkeit bei Menschen ohne berufliche Qualifikation größer: Sie machen laut IAB 40 Prozent der Minijobber aus, in der Gesamtbevölkerung liegt ihr Anteil dagegen nur bei 25,8 Prozent.

Was allerdings extrem unwahrscheinlich ist, ganz gleich, was man gelernt hat: dass man drei Minijobs auf einmal ausübt. Denn entgegen einem weitverbreiteten Irrtum lohnen sich mehrere von ihnen gleichzeitig nicht, weil die Löhne dann zusammengerechnet werden. Kommt man dann auf mehr als 450 Euro im Monat, gilt keiner der Jobs als geringfügige Beschäftigung – und alle Vorteile sind futsch.