1. Wo sitzt hier die Macht?

Dietmar Woidke, Brandenburgs SPD-Regierungschef, über seinen Amtssitz – im Wortsinn

"Die Staatskanzlei ist in einer ehemaligen Kaserne untergebracht. Daraus leitet sich schon ab, wie es in meinem Amtszimmer aussieht: sachlich und preußisch. Das ist auch in Ordnung, es soll ja nicht so wirken, als wäre das mein Wohnzimmer. Ich will dort Dienst tun. Nun. Ich fühle mich jedenfalls wohl.

Die Möbel wurden vor einigen Jahren ausgetauscht; ein neuer Stuhl war auch dringend nötig. Ich bat eine Mitarbeiterin, die viel mehr Geschmack hat als ich, etwas Passendes herauszusuchen. Der Stuhl sei gut für den Rücken, hieß es, aber ich kann das nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist er bequem und praktisch. Daneben hängen große Flaggen: Europa, Deutschland und Brandenburg. Das steht für mich für "Einigkeit und Recht und Freiheit". Wichtig sind mir die Bilder an den Wänden. Eines davon gehört mir privat: Es zeigt ein Schiff in stürmischer See, gemalt hat es der Brandenburger Künstler Manfred Zèmsch. Ich besitze mehrere Bilder von ihm, aber das ist mein liebstes, denn es steht aus meiner Sicht sinnbildlich für die Arbeit in der Politik: Die fühlt sich auch manchmal so an, als sei man auf rauer See. Es gibt immer einen Grund, optimistisch zu bleiben. Ich finde, das strahlt das Bild aus, deswegen habe ich es an die Wand direkt gegenüber von meinem Schreibtisch gehängt, damit ich es oft sehen kann. Als ich Ministerpräsident wurde, hat Manfred Zèmsch das Bild für mich sogar ein kleines bisschen überarbeitet: Das Schiff trägt nun am Bug die Landesfarben Brandenburgs, Rot und Weiß."

2. Wo mampfen die Mächtigen

Christian Görke, 55, Brandenburgs Finanzminister von der Linken, über das Piazza Toscana

Wenn man in Potsdam gesehen werden will, muss man in die Osteria in der Nähe des Landtages gehen: Dort erkennt einen jeder, sowohl von der Straße als auch vom Gehweg aus. Manche nutzen das gern. Ich gehe lieber ins Piazza Toscana. Das liegt in Babelsberg, da ist es ruhig. Babelsberg hat einen ganz eigenen Charakter, und man kann sich auf der Terrasse unter Potsdams Abendhimmel wunderbar beraten.

Manchmal klären sich bestimmte heikle Fragen besser in einem lockeren Umfeld, ohne Zeitdruck. Als Finanzminister gibt es keinen Mangel an heiklen und komplexen Themen. Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Restaurant, weil mich ein Babelsberger eingeladen hatte: Das Piazza Toscana sei ein kleiner Geheimtipp, sagte er, das stimmt. Dort gibt es gute italienische Küche in mediterranem Ambiente, einmal im Monat bin ich mindestens da, zuletzt mit meiner Ministerkollegin Diana Golze. Es gibt bemerkenswert viele Restaurants in Potsdam, auch viele weitaus edlere, man könnte jeden Abend in ein anderes Lokal gehen, aber da bin sogar ich konservativ: Ich gehe am liebsten dorthin, wo ich sicher sein kann, dass es schmeckt und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. In der Piazza Toscana kostet eine Pizza Margherita sieben Euro. Ein guter Preis für Potsdamer Verhältnisse. Und nach dem Essen gibt der Wirt einen Schnaps aus. Mein Wunsch ist meist: Averna mit Eis und Zitrone.

3. Was läuft hier gerade besonders gut?

Am Tag von Donald Trumps Amtseinführung entstand ein Foto, das Angela Merkel in einem Potsdamer Museum zeigt – vertieft in eine Herbstlandschaft des französischen Malers Monet. Die Botschaft: Merkel guckt nicht nach Washington, sie fährt stattdessen nach Potsdam. Auch Bill Gates war zugegen an diesem Tag, und Günther Jauch hielt gar eine Rede: Das neue Museum Barberini wurde eröffnet. Dem donnernden Startschuss sind seit diesem Tag mehr als 320.000 Besucher gefolgt.

Spendiert hat das Museum SAP-Milliardär Hasso Plattner, der in Potsdam lebt; er errichtete das Barberini nach historischem Vorbild wieder – und bestückte es unter anderem mit vielen Werken aus seiner eigenen opulenten Kunstsammlung. Zur Eröffnung im Januar hingen Renoir und Monet gleichzeitig mit Warhol und Munch im Barberini. Derzeit zeigt das Haus, in Zusammenarbeit mit amerikanischen Sammlern, Werke von Edward Hopper und Mark Rothko. Frage an Plattner: Worum geht es ihm bei diesem Museum? Er freue sich über "internationale Anerkennung", sagt er. Die kriegt Plattner von allen Seiten. Die taz spottete ob all des Lobes schon über "hysterische" Kritiker. Die wahre Bedeutung des teuren Geschenks liegt viel näher als Amerika: Wer große Kunst in Ostdeutschland sehen will, muss nicht mehr nach Dresden und Berlin fahren. Der kann nun auch nach Potsdam kommen, in Plattners Palast.

4. Wohin fährt der Premier?

Manfred Förster, 58, seit sieben Jahren der Chauffeur von Dietmar Woidke, weiß es

DIE ZEIT: Herr Förster, stimmt es, dass in Potsdam ständig Stau ist?

Manfred Förster: Ja, es ist schlimm geworden, nachdem unsere Stadtväter beschlossen haben, Straßen teilweise einspurig zu gestalten. Seitdem gibt es ständig Stau. Ich wohne außerhalb in einem Dorf, früher brauchte ich eine halbe Stunde bis Potsdam, jetzt ist es eine ganze. Potsdam hat aber auch wunderschöne Strecken. Durch die barocke Altstadt, vorbei am Park Sanssouci oder entlang von Seen und Havel.

ZEIT: Warum sind die Straßen nun einspurig?

Förster: Weil die Feinstaub-Belastung zu hoch ist. Die Stadtverwaltung will, dass weniger Autos in die Innenstadt fahren. Aber ob das funktioniert, da habe ich meine Zweifel, denn es gibt so viele Pendler, die in die Stadt müssen.

ZEIT: Es gibt doch öffentlichen Nahverkehr.

Förster: Stimmt, aber die Verbindungen aus dem Umland nach Potsdam sind noch nicht so gut, ich persönlich könnte mich auch nicht auf den Zug verlassen: Dann käme ich nachts nicht heim. Und mein Chef kann auch nicht mit den Öffentlichen fahren – selbst wenn er dann schneller in Berlin wäre. Aber vertrauliche Akten sollte man nicht in der S-Bahn transportieren.

ZEIT: Mit dem Chef an Bord dürfen Sie doch bestimmt auch mal am Stau vorbeifahren.

Förster: Nein, wir haben keinerlei Sonderrechte! Wir müssen sogar mehr als andere darauf achten, uns anständig zu benehmen: Jedes unangemessene Fahren könnte dem Chef Negativschlagzeilen bringen.

ZEIT: Und wenn Sie dennoch einmal zu spät dran sind?

Förster: Dann ist es so. Mein Chef drängelt nicht, das kam noch nie vor. Ich versuche immer, ruhig zu bleiben, fluche auch nicht. Herr Woidke würdigt das: Er zeigt einem, dass man wertgeschätzt wird. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, denn ich fahre seit 37 Jahren – früher noch in der DDR – Politiker und hohe Beamte.

5. Und wo sind in Potsdam die Gefühle?

Antworten von Schauspielerin Nina Gummich, 26, Hans-Otto-Theater Potsdam

Wo man schreit: Ich schreie am liebsten, wenn ein Sommergewitter losbricht. Am schönsten ist es, wenn man gerade noch am Heiligen See baden war, auf einen Schlag alle Sachen zusammenpacken muss, sich einen Unterschlupf sucht, mit den Naturgewalten mitbrüllt.

Wo man weint: Bei Judith Mücke, die als Coach und Beraterin in Potsdam arbeitet. Seit ich sie kenne, schicke ich jeden, der mir lieb ist, zu ihr. Ob vor Glück oder Schmerz Tränen kullern – alles ist dort erlaubt.

Wo man tanzt: Am besten in einem der Tanzstudios von Marita Erxleben: in der Innenstadt oder in Babelsberg, von Ballett bis Hip-Hop, mit tollen Lehrern.

Wo man träumt: Traumhaft schön ist es im Café Eden im Park Sanssouci – hier kann ich meinen Träumen nachhängen, inmitten der anderen Gäste oder ganz allein abseits in einem Liegestuhl. Café Eden eben.