Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Die österreichische Medienwelt macht sensationelle Fortschritte. Der Teletext des ORF, eigentlich ein Tool aus dem Informations-Paläozoikum, hat ein neues Angebot parat. "Nachrichten leicht verständlich" heißt das Novum, das die sechs wichtigsten Nachrichten des Tages beinhaltet. Welche News es in dieses Ranking schaffen und warum, bleibt rätselhaft. Meldungen werden in ganz kurze Sätze gefasst, vermeintlich schwierige Wörter werden vermieden oder erklärt, und lange, zusammengesetzte Begriffe werden mit Bindestrichen zu Silbenhäppchen portioniert. Der ORF sieht dies als Beitrag zur sogenannten Barrierefreiheit. In alter, schmutzig-unkorrekter Sprache könnte man auch von einer Dienstleistung für intellektuell Behinderte sprechen. Das ist positiv, also gut. Denn das hilft. Sehr. Ja, tut es. Aber total, also völlig. Weil Sprache ist schwierig. Immer. Besonders diese Haupt-Wörter. Oder diese Beistriche, die immer die Sätze so lästig unterbrechen tun. Die Tun-Wörter sind auch wichtig. Weil sie sagen uns, was wer so tut. Also wenn der Herr Trump sagt, alle, die ihn nicht gern haben, sind doof, dann tut er was. Und dann kommen Meldungen raus wie: "Trump ist wieder böse gewesen" oder "Wetter bald nicht so gut". Das ist schön, weil wenn alles so einfach geschrieben ist, wird alles auch viel einfacher. Plötzlich. Das ist super. Lustig ist auch, dass diese Sache gar nicht so neu ist. Denn verschiedene hiesige Medien machen das schon lange. Flache Sprache, flaches Denken. Dass der Teletext immer noch so heißt, kann nur ein Flüchtigkeits-Fehler sein. Fern-Schreib wär sicher besser, obwohl er ja im Fern-Seher zu lesen ist. Und der ist im Zimmer, also ganz nah. Pfu, alles is’ so schwer zum Verstehen, und deswegen ist dieses neue Angebot vom Wie-wir-ORF doppelt wichtig.

Anmerkung des Autors, 20.07.2017:
Meine Glosse mit dem Titel "Leicht verständlich" wurde ausgelegt als diskriminierend gegenüber Menschen mit Leseschwäche. Das lag nie in meiner Absicht. Mir ging es darum, den Verfall der Sprache in manchen Medien und bei manchen Politikern anzuprangern. Das dürfte aber leider danebengegangen und missverstanden worden sein. Aus persönlicher Erfahrung im direkten Umfeld weiß ich, wie sehr betroffene Menschen von diesen Angeboten profitieren. Sollte mein Text Menschen verletzt haben, so tut mir das aufrichtig leid.