Fünf Tage nach dem Gipfel, und immer noch fräsen die Bilder der Verwüstung eine Schneise durchs öffentliche Bewusstsein. Die brennende Fackel in der Hand eines Vermummten, dies scheint das Emblem einer politischen Tagung geworden zu sein, deren Themen vergleichsweise wenige, deren Begleitumstände aber alle interessieren, vor allem die Zuspitzer und Einpeitscher auf beiden Seiten der ideologischen Fronten. G20, war das nicht dieses Randale-Event, bei dem Straßenzüge brannten und Geschäfte geplündert wurden?

Was visuell nur massiv genug verbreitet wird, setzt sich als Wahrheit durch. Die gute Nachricht, die in dieser Diagnose enthalten ist: Die Gegenbilder sind ebenfalls da, die Motive einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sich nicht aus Zerstörungswut und medial befeuertem Narzissmus zusammensetzt, sondern aus Redlichkeit, Mut, Humor.

Was der politische Protest an kreativem und moralischem Potenzial aufzubieten hat, kam in Hamburg zum Tragen. Ob Großdemonstration oder Kleingruppenaufmarsch, Performance-Aktion oder Einzelaufführung – die gewaltfreie Kritik an den globalen Machtverhältnissen brachte bedeutende Bilder hervor.

Auf dieser Seite sind Beispiele jener anderen Ikonografie versammelt, Bilder von Demos und Aktionen, die man nicht einordnen wird in den Katalog der süffigen Gewaltästhetik, sondern die die Prägnanz und die Vielfalt des bürgerlichen Protests belegen, wie er sich an vielen Orten in Hamburg gezeigt hat.

So viele bewegende, authentische und einmalige Momente.

Zum Beispiel: die aus internationalen Fahnen zusammengesetzte Stoffspur, von Hunderten als Banner der Weltverantwortung und Weltbürgerschaft durch die Straßen getragen.

Die Demo "1000 Gestalten" mit ihren lehmverkrusteten Mimen, die erst wie betäubt umherstolpern, um sich dann den Panzer der Gleichförmigkeit vom Leib zu reißen und als bunte Masse loszutanzen. Ein tolles Theater zur Darstellung, was dem autoritären Charakter blüht, wenn er sich ganz dem Opportunismus überlässt.

Und dann die vielen einzelnen Szenen, die schon jetzt zur Folklore gehören, Folklore verstanden als verbindliche Erzählung für alle: der Pizzabote, der unbeeindruckt vom "Welcome to Hell" - Mob seine Lieferung durchs Chaos navigiert. Nur weil einige Widerstand mit Randale verwechseln, heißt das nicht, dass man an der Basis keinen Hunger mehr hat.

Oder der junge Mann und der hochgerüstete Polizist. Auf der Straße spielen sie Drei Gewinnt. Der Cop macht Kreuze, der Demonstrant strichelt statt Kreisen Peace-Zeichen auf den Asphalt. Eine Auseinandersetzung mit konträren Symbolen, ausgetragen auf einem gemeinsamen Feld des Respekts und Wohlgesonnenseins.

Dies sind die richtigen und gültigen Motive von G20.