Sie hätte es so viel einfacher, wenn sie nicht die Tochter des amerikanischen Präsidenten wäre, soll Donald Trump einmal in einem Interview über seine Tochter Ivanka gesagt haben. Die "First Daughter" jedoch scheint sich in ihrer neuen Rolle wohlzufühlen. Sie bezog kürzlich sogar ihr eigenes Büro im Weißen Haus. Souverän strahlt sie auf Fotos zwischen Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde, debattiert über die Einbindung von Frauen in die Wirtschaft und lässt gleichzeitig ihre Fans per Instagram an ihrem Familienleben als liebevolle Mutter teilhaben.

Man mag dieser "Staatsfrau von Geburts wegen" nun vorwerfen, niemals in diese Rolle gewählt worden zu sein. Aber jeder ihrer Schritte auf dem politischen Parkett scheint zu signalisieren: Ich habe diese Rolle selbst gewählt. Als sie am Verhandlungstisch der G20 ihren Vater vertrat, da grassierte in den sozialen Netzwerken die Kritik, was diese Handtaschendesignerin auf dem Platz des US-Präsidenten zu suchen habe. Ihr sanftes, fast schon bescheidendes Auftreten auf der politischen Weltbühne wirkt wie ein wohltuendes Gegenmittel. Sie fragt damit uns: Wen wollt ihr denn lieber sehen? Mich oder meinen Vater? So erscheint Ivanka zwar als die Inkarnation der undemokratischen Vetternwirtschaft, ist aber zurzeit wohl die einzig wirksame Option, der amerikanischen Politik unter Trump mehr als nur Glanz zu verleihen.