Noch immer wird das Smombie-Problem deutlich unterschätzt. Noch immer gibt es keine Debatte darüber, wie all jenen zu helfen ist, die als Smartphone-Zombies den Blick von ihrem Telefon nicht mehr abwenden können und sich trotzdem einigermaßen unversehrt durch die Städte bewegen wollen.

Zumindest in Melbourne und München haben die Stadtplaner damit begonnen, den realen Raum nach virtuellen Bedürfnissen auszurichten und also den sichtbeschränkten Dauerdigitalisten als neuen Verkehrsteilnehmer wahr- und ernst zu nehmen. An Kreuzungen leuchten nun nicht allein die Fußgängerampeln in Grün und Rot, auch auf den Überwegen gibt es blinkende LED-Signale.

Unterdessen wurde in Washington zeitweilig ein Bürgersteig geteilt, es gab eine "Cellphone Lane" und daneben eine gleich breite Spur für all jene, die ein Leben ohne Bildschirmdauerblickkontakt für möglich halten. So sollten Rempeleien vermieden und einer Helmpflicht für Smombies vorgebeugt werden.

Eine ganz andere und weit überraschendere Lösung wird jetzt aus Brasilien gemeldet. Dort wirbt eine Kampagne dafür, dass jene alten Mütterchen aktiv werden, die bislang dafür bekannt waren, verwirrt am Straßenrand zu stehen und auf die Hilfe eines jungen Mannes zu warten, der sie sicher über die Fahrbahn geleitet. Nun sind es die Rentnerinnen, die einschreiten sollen, frei nach dem Motto: Halb blinde Omas helfen ganz blinden Hipstern. Sie fassen die Smombies am Unterarm und führen sie sicher durch die gefahrenvoll nondigitale Welt. Zumindest so lange, bis neben dem selbstfahrenden Auto endlich auch der selbstlaufende Mensch erfunden sein wird.