Als junger Punker fing Alex Heimkind mit der Graffitisprüherei an. Es war 1983 in West-Berlin, und er, ein 12-Jähriger, der seinem Heimatdorf entflohen war, wollte eine erste Spur hinterlassen. Genau das tat er nun, eine Sprühkanne in der Hand, in U-Bahnen, an Häuserwänden, an der Berliner Mauer und anderswo auf den Straßen der geteilten Stadt.

Eines Tages saß Heimkind auf dem Bürgersteig in Kreuzberg und zeichnete als Übung etwas Graffitiartiges auf ein Blatt Papier. Ein Passant schaute zu und sagte: "Ich kaufe dir das ab!" Er lehnte ab, aber der Mann war hartnäckig, bot ihm 50 Mark an, dann 100, schließlich 200 Mark. "Am Schluss habe ich einfach okay gesagt", erinnert er sich.

So wurde die illegale Straßenkunst namens Graffiti zur Kaufware.

Graffito heißt im Italienischen etwas Gekratztes oder Eingraviertes. Gemeint ist hier ein Bild oder eine Schrift, die illegal in den öffentlichen Raum gesprüht wird. Die Graffitiszene wurde allgegenwärtig in den achtziger Jahren. Über die Jahre rückte die Subkultur vom Rand der Gesellschaft weiter in die Mitte und wurde nach und nach zu einer marktfähigen Kunstform.

Alex Heimkind selbst ist heute Galerist in Hamburg. Auf 1.300 Quadratmetern eines umgebauten Wohnhauses im hippen Schanzenviertel bietet seine OZM Art Space Gallery verschiedenste Graffitiwerke an. Und sie hat Erfolg.

Erst kürzlich bezahlte ein Kunde für eine kleine Leinwand vom Graffitikünstler Darco FBI 10.000 Euro. Es war ein Luftwaffenpilot, und er mochte das Bild des Graffitimalers, der seine Erfahrungen als Karatekämpfer darstellt.

Immer noch übertreten Graffitikünstler bei ihren Aktionen Gesetze, aber der Kunstmarkt hat sie aufgenommen. Und Berlin steht mit oben auf der Weltkarte der Szene. Die deutsche Hauptstadt hat eine große Graffitigeschichte, die vor allem auf übrig gebliebenen Teilen der Berliner Mauer zu finden ist.