Wie sich eine US-Uni nach jahrelangem Streit bei einem deutschen Studenten entschuldigt.

Drei Absätze ist das Statement lang, das ihm sein Leben, seinen Frieden wiedergeben soll. "Als Paul Nungeßer Student an der Columbia war, wurde er eines sexuellen Übergriffs beschuldigt. (...) nach einer genauen Untersuchung wurde er für nicht schuldig befunden. (...) Die Columbia erkennt an, dass Pauls universitäres Leben nach Ende der Untersuchung sehr schwierig wurde (...)." Vier Jahre hat Paul Nungeßer um diese Absätze gekämpft. Erst privat, dann vor Gericht. Immer gegen seine einstige Universität, die Columbia University in New York.

Es sind die finalen Absätze einer Geschichte, die im Frühjahr 2013 auf dem Campus der Columbia begann und bald von Zeitungen in aller Welt erzählt wurde, auch von der ZEIT.

Die Geschichte handelt von Paul Nungeßer aus Berlin und seiner Kommilitonin Emma Sulkowicz, berühmt geworden, weil sie monatelang eine Matratze über den Campus schleppte. Auf dieser Matratze, behauptete Sulkowicz, sei sie vergewaltigt worden, von Paul. Die Aktion war der Protest dagegen, dass die Universität ihren Fall nicht ernst nahm. So sah es Sulkowicz. Doch die Polizei hielt die Vorwürfe für nicht stichhaltig. Die Universität sprach Paul Nungeßer von allen Anschuldigungen frei. Und ließ ihn allein. Auch als sein Name bekannt wurde und ihn Aktivisten als "Serienvergewaltiger" schmähten. Statt ihn zu schützen, erhob die Columbia Emmas Matratzenprojekt zur Abschlussarbeit.

Für diese Behandlung wollte Paul Nungeßer eine öffentliche Entschuldigung. Die die Columbia verweigerte. Vergangene Woche einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich. Das Statement ist der öffentliche Teil, über die finanzielle Entschädigung wurde Stillschweigen vereinbart. Eine richtige Entschuldigung sucht man vergebens.

Pauls Mutter, Karin Nungeßer, ist trotzdem zufrieden: "Wir haben um jedes Komma gerungen. Das war die beste Entschuldigung, die wir kriegen konnten." Die Familie wolle den Fall abschließen. "Außerdem war der Kampf nicht umsonst", sagt Nungeßer.

Tatsächlich werden Fälle wie dieser inzwischen anders bewertet, gesellschaftlich wie politisch. US-Bildungsministerin Betsy DeVos traf sich dieser Tage mit Organisationen von Opfern sexueller Gewalt und Vertretern von Studenten, die fälschlicherweise eines sexuellen Übergriffs beschuldigt wurden. Sie wolle für mehr Fairness sorgen, erklärte DeVos.

Paul Nungeßer verfolgt diese Debatten inzwischen nicht mehr. Er studiert jetzt an einer renommierten Filmhochschule in Deutschland. Emma Sulkowicz arbeitet als Performancekünstlerin in New York. Auf die schriftliche Bitte um ein Statement reagierte sie nicht.