Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Parlamentssitzungen sind dazu da, abzustimmen. Zu beschließen. Dem Volke zu dienen oder Streitkultur unter Beweis zu stellen. Manch einem Mandatar verhelfen sie an unwirtlichen Wintertagen auch zu einem behaglichen Plätzchen. In dieser republikanischen Wärmestube ist es dann den Volksvertretern möglich, in Zeitungen zu schmökern, am Handy zu spielen oder schöne Bilder im Netz zu bewundern. Alles in allem sind diese Sitzungen also ein wichtiger Bestandteil demokratischer Reife. Und genau diese veranlasst den Nationalrat, zwei Sitzungen ein paar Tage vor der Wahl im Oktober abzusagen. So kurze Zeit vor einem Urnengang steht niemandem der Sinn nach Sitzen – da muss bekanntlich noch gekämpft, gepöbelt, diffamiert werden. Weniger bekannt ist ein anderer Grund. Gerade diese Last-Minute-Sitzungen geraten oft zu einem hemmungslosen Happening der Freigebigkeit. In schmerzvoller Erinnerung an ein ähnliches Event kurz vor der Wahl im Jahr 2008 ist höchste Vorsicht angebracht. Damals wurden in spendablem Überschwang jede Menge finanzieller Goodies beschlossen. All diese Wahlkampfpralinen kosten die Steuerzahler noch immer rund vier Milliarden Euro pro Jahr. Und speziell bei dieser Wahl, wo angeblich die Karten im Land gaaanz neu gemischt werden, scheint die Versuchung abermals besonders groß zu sein. Daher wäre es eine pädagogisch wertvolle Erfahrung für die eifrigen Volksversprecher, wenn ihnen diese Bühne genommen wird. Dieses Methadonprogramm für Wahlzuckerl-Junkies könnte noch verbessert werden. Insofern als in künftigen Sitzungen jeder Versprecher seine Versprechen selbst bezahlen muss.