"Deutschland verdient an Athens Schuldenlast", so stand es überall in der vergangenen Woche. Ursprung war ein Bericht der Süddeutschen Zeitung, der feststellte: "Deutschland macht mit Hilfen für Griechenland Milliardengewinn." Knallig klingt das, ja: unglaublich. Kann es sein, dass Deutschland gar nicht Griechenlands Helfer ist, sondern ein Profiteur der griechischen Krise?

Die hinter der Geschichte stehende Rechnung ist jedenfalls korrekt: Ja, Deutschland verdient Geld mit Griechenland. Das liegt an den Zinsen, die die Griechen zahlen müssen, auch auf Kredite, die ihnen als Krisenhilfe gewährt wurden, beispielsweise von Deutschland.

Griechenland hat auf seine Krisenkredite bislang nach einer Berechnung des Finanzministeriums rund eine Milliarde Euro an Zinsen gezahlt, die Deutschland zugutekamen. Das funktionierte auf verschiedenen Wegen. Zum einen über Kredite, die aus Deutschland in der Krise 2010 direkt an Griechenland vergeben wurden, zum anderen über die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat in der Krise in den Jahren 2010 bis 2012 große Mengen griechischer Staatsanleihen aufgekauft, um das Land zu stützen. Auf diese Papiere zahlt Griechenland seither teils recht hohe Zinsen an die EZB. Dieser Zinsertrag ist Teil des EZB-Gewinns, der teilweise an die Bundesbank weitergegeben wird, die ihre Gewinne wiederum teilweise an den Bund ausschüttet. So landen die griechischen Zinszahlungen im Bundeshaushalt.

Verdient Deutschland also an Griechenlands Krise? Auf den ersten Blick scheint es so. Es ist aber ratsam, einen Schritt zurückzutreten und noch einen zweiten Blick auf die Sache zu werfen. Dann erkennt man, dass die Behauptung nicht zu halten ist.

Das hat zwei Gründe: Der eine hat mit der Vergangenheit zu tun, der andere mit der Zukunft.

Zur Vergangenheit: Deutschland und andere Länder haben Griechenland in einer Zeit Kredit gewährt, in der das Land vor der Pleite stand und die Märkte ihm kaum mehr Geld leihen wollten. Sie taten es dennoch, und das auch noch zu günstigen Konditionen. Später wurden die Konditionen noch dreimal zugunsten der Griechen korrigiert: Der Zinssatz wurde dreimal gesenkt und liegt nun sehr niedrig, die Fälligkeit der Kredite wurde von ursprünglich 5 auf 30 Jahre erhöht.

Man kann also aus guten Gründen sagen, dass vor allem die Griechen von der Hilfe der Europäer profitieren. Ihr Gewinn ist mindestens der Unterschied zwischen den sehr hohen Zinsen, die sie im Jahr 2010 am Markt hätten zahlen müssen, und den Zinsen, die Deutschland und andere Länder stattdessen verlangt haben. Die Deutschen haben hingegen keine hohen Gewinne gemacht, sondern eher etwas Abstraktes gewonnen: Sicherheit, einen stabilen Euro, solche Dinge.