Vielleicht, so mutmaßen Parteifreunde, liege Czernohorszkys Beliebtheit an einer Eigenschaft, die wenige Spitzengenossen in Wien derzeit besitzen: Er ist intellektuell und kumpelhaft zugleich, er kann mit jungen, rot-grün-affinen Stadtmenschen ebenso wie mit den "einfachen Leuten", mit denen sich die Partei schon lange schwertut.

"Da riecht’s ja nach Schnitzel, nicht nach Holz", ruft er bei der Gleichenfeier einer Schule den Bauarbeitern zu, die daraufhin erleichtert zum Bierfass ziehen. Überhaupt lacht Czernohorszky viel und scherzt gerne. Wenn er Dinge "cool" findet, was er ziemlich oft tut, wirkt das bei dem Politiker weder peinlich noch bemüht. Als er bei der Eröffnung der diesjährigen Regenbogenparade Vienna Pride unter der großen Bühne wartet, auf der er gleich ein paar Worte sagen wird, tänzelt er unwillkürlich mit zur Tanzeinlage oben, ganz so, als ob er beim Open-Air-Konzert seiner Lieblingsband stünde.

Czernohorszky hat eine lineare Parteikarriere hinter sich. Geboren ist der Sohn einer Alleinerzieherin im Burgenland, aufgewachsen erst in Wien und nach der Heirat der Mutter in der Steiermark. Eine linke Jugendorganisation gab es in Hartberg nicht, aber "im ländlichen, tiefschwarz geprägten Oststeirischen entsteht schnell das Bedürfnis, sich auch gegen Leute zu stellen, die finden, es soll alles so bleiben, wie es ist".

Als Politik- und Soziologiestudent kam er zurück nach Wien und wurde in der roten Studentenvertretung VSStÖ aktiv. Dort folgte er seiner späteren Frau Eva Czernohorszky als Bundesvorsitzender nach. Von ihr nahm er, der ursprünglich Jürgen Wutzlhofer hieß, bei der Hochzeit vor drei Jahren auch den Familiennamen an.

Penzing ist seine politische Heimat – und ein Standortvorteil im roten Richtungsstreit

Es ist ein später Freitagnachmittag, als Jürgen Czernohorszky zwischen Pflichtterminen auf eine Gemeindebau-Spielwiese im 14. Bezirk eilt. Ein Nachbarschaftsfest steht an, und der Stadtrat beginnt es mit vielen Bussis und innigen Umarmungen für die Genossen und Freunde.

In Penzing ist er zu Hause – jetzt, da er mit seiner Frau und den beiden Töchtern hier wohnt, vor allem aber ideologisch. Seit VSStÖ-Zeiten kennt er Andreas Schieder, derzeit SP-Klubobmann im Nationalrat, der neben dem Wiener SP-Klubchef Christian Oxonitsch bis heute zu den engsten Freunden und Förderern gehört. Schieder brachte Czernohorszky damals zur Penzinger SP-Sektion, die "immer eine große Offenheit für Neues und Junges hatte", so Czernohorszky. Das möchte er auch seiner Partei ins Stammbuch schreiben: "Gerade eine alte, traditionsreiche Bewegung braucht die Coolness, sich von Neuem und Anderem irritieren zu lassen." Dazu komme "ein gewisser Vorstadtpragmatismus": "Es geht darum, Verbesserung für die Leute zu erzielen, die da wohnen, nicht darum, nach großen Unterschieden zu suchen."

Das passt zum Standortvorteil Penzings im roten Richtungsstreit. Zwar wird Czernohorszky zum linken Lager gerechnet, und wenn er sagt, dass eine breit aufgestellte Partei – das solle die SPÖ ja sein – keine beliebige Partei sein dürfe, heißt das: "Für mich lautet die klare Positionierung, dass sich eine Koalition mit der FPÖ nicht ausgeht." Dennoch gilt er als Sachpolitiker und Teamplayer, er ist – genauso wie der 14. Bezirk – kein rotes Tuch für die Vertreter der Flächenbezirke, die sich mit den innerstädtischen SP-Fraktionen fortlaufend matchen.

Gerade jetzt, vor der Nationalratswahl, seien diese Auseinandersetzungen nicht zu führen, sagt Jürgen Czernohorszky, es brauche eine geeinte Partei. "Wenn ich einen Beitrag gegen den grassierenden Kurzismus leisten kann, dann ist es der, dass ich meinen eigenen Job gut mache und nicht etwas anderes werden will." Bis zum 15. Oktober bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit, sich unter Beweis zu stellen.