Es gibt viele Möglichkeiten, von Bud Spencer verdroschen zu werden. Da ist die beidhändige Doppelbackpfeife, die eine unmittelbar betäubende Wirkung entfaltet. Oder la bomba, wo der schwergewichtige Schauspieler eine ganze Reihe von Angreifern, die ihn umkreisen, mit einem einzigen Schlag ausschaltet. Am beliebtesten jedoch ist der Dampfhammer. Mit voller Wucht donnert die geballte Faust auf den Schädel des Gegners, der gewissermaßen in den Boden gerammt wird.

Man kann all diese Kampftechniken und noch einige mehr in dem Film Sie nannten ihn Spencer sehen, der am 22. Juli beim Open-Air-Kino im Augarten erstmals in Österreich gezeigt wird. Acht Jahre habe er an der Mischung aus Biografie, Slapstick-Komödie und Roadmovie gearbeitet, erzählt Regisseur Karl-Martin Pold. "Ich wollte auf keinen Fall einen trockenen 08/15-Film machen", sagt er. "So eine Arte-Doku mit Talking Heads, einem langsamen Erzähler und langsamen Bildern. Was mir vorschwebte, war: viel Witz, viel Charme, viel Humor – und vor allem Tempo." Deswegen sei auch Originalfilmmusik verwendet worden und zahlreiche Zitate aus Hau-drauf-Komödien des schlagkräftigen Duos Bud Spencer und Terence Hill, von Vier Fäuste für ein Halleluja bis zu Zwei außer Rand und Band.

Der gebürtige Waldviertler Karl-Martin Pold, ein schmaler junger Mann, pendelt zwischen einer leicht ironischen Sprachfärbung und ungebremstem Enthusiasmus, bei dem die Wörter übereinanderpurzeln, wenn er auf sein Lebensprojekt zu sprechen kommt: "Der Film war nie geplant, der ist mir einfach so zugefallen." Er hatte ein Thema für seine Diplomarbeit im Fach Film- und Medienwissenschaften gesucht und, als alter Fan, sich Bud Spencer zum Gegenstand seiner wissenschaftlichen Arbeit ausgesucht. Um die Sache ein wenig runder zu gestalten, bastelte er einen kleinen, fetzigen Trailer, der auf einen fiktiven Bud Spencer-Dokumentarfilm hinweisen wollte, und stellte das Werbevideo ins Netz. "Dann war plötzlich die Hölle los", erzählt Pold. "Ich bekam E-Mails aus der ganzen Welt, von Japan bis Südamerika, in denen nur eine Frage gestellt wurde: Wann kommt der Film ins Kino?"

So wurde aus einem Jux nach und nach Realität: Die Nachfrage erzeugte ein Angebot, von dem eigentlich nie die Rede gewesen war. Richtig Fahrt nahm die Sache auf, als sich über soziale Netzwerke eine riesige Fangemeinde bildete: "Wir haben 270.000 Facebook-Freunde, das ist mehr als Rapid oder mehr als der Sender FM 4." Viele Bud-Spencer-Aficionados halfen mit, das fragile Projekt, das von den üblichen Filmförderinstanzen mehrfach abgelehnt worden war, auf die Leinwand zu stemmen. Manche beteiligten sich an einer frühen Crowdfunding-Kampagne, Computernerds erstellten eine Film-Homepage, und Kameramänner stellten Equipment zur Verfügung und drehten einzelne Szenen. "Während der gesamten Drehzeit sind rund zwanzig verschiedene Kameras unterschiedlichster Qualität zum Einsatz gekommen. Deshalb hat der Film diesen körnigen dirty look, der an die siebziger Jahre erinnert."

Trotz aller Fanbegeisterung reichte das Geld nie, und Karl-Martin Pold musste eine Vielzahl von Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen und seinen Film voranzutreiben. Er arbeitete in einem Supermarkt hinter der Kassa, verkaufte steirisches Brot in Colorado, wobei sein österreichischer Akzent von Vorteil war, arbeitete kurze Zeit als Privatchauffeur für den Bestsellerautor Paolo Coelho, als dieser sich in Österreich aufhielt und lenkte drei Jahre lang einen Bus der Österreichischen Nationalbank, der als mobile Wechselstube Dörfer und kleine Städte abklapperte, damit die Leute ihre vergessenenen Schilling-Banknoten in Euro tauschen konnten.

Während dieser ganzen Zeit wurde immer weitergedreht, bis schließlich rund 100 Stunden Filmmaterial vorlagen. Mit einem Cutter ging der selbstermächtigte Regisseur Pold in Klausur und erarbeitete jene zweistündige Fassung, die jetzt in die Kinos kommt. Filmbesucher, die Bud Spencer nur als lustigen Obelix kennen, der seine Gegner zu Brei zermalmt, werden in dem Dokumentarfilm einiges Neues erfahren. Denn der 2016 verstorbene Schauspieler, der im bürgerlichen Leben Dr. Carlo Pedersoli hieß und aus Neapel stammte, verfügte über eine Biografie, in der man leicht vier oder fünf Leben hätte unterbringen können: Er war in seiner Jugend Weltklasseschwimmer und Olympiateilnehmer, studierte Jus und arbeitete als Pilot, Modedesigner und Musikproduzent, ehe er, mit dämlichen Synchron-Namen wie Plattfuß, Nilpferd oder Mücke ausgestattet, zum bis heute beliebten Film-Raufbold wurde.

Karl-Martin Pold erzählt die Geschichte von Bud Spencer als die Gralssuche zweier Fans, die in einem klapprigen Auto auf Europatour gehen, um ihr Idol zu treffen und dabei zahlreichen Weggefährten und Filmpartnern des Himmelhundes auf dem Weg zur Hölle begegnen. Immer näher kommen sie dabei ihrem Helden, der zu diesem Zeitpunkt schon über 80 Jahre alt ist – bis sie an der Tür zu seinem Büro von einer resoluten Managerin abgewiesen werden. Ein Traum löst sich in Luft auf. Doch dann passiert etwas Unerwartetes. Das will Regisseur Pold jedoch nicht verraten. Er schmunzelt: "Spoiler alert!"