Diät – das Wort allein löst ungute Vorstellungen aus. Von Verzicht, von Hunger und schließlich vom Versagen. Menschen fällt es schwer, ihre Lebensgewohnheiten umzustellen. Deshalb suchen manche einmal im Jahr ihr Heil im zeitweisen Fasten, es erfordert weniger Dauerdisziplin. Doch auch das ist für viele Durchschnittsbürger keine gangbare Alternative.

Was aber wäre, wenn es eine Ernährungsform gäbe, die weniger Disziplin voraussetzt als Diäten oder Fasten, die aber trotzdem gesund macht, eine Art abgespecktes Fasten?

Zumindest einen Namen hat die Methode schon: Intervall- oder periodisches Fasten heißt sie auf Deutsch. In den USA gibt es darum gerade einen Hype. Dort klingen die Varianten dieser Diätform auch mehr nach Lifestyle. Da gibt es die fasting mimicking diet, die Diät also, die das Fasten nachahmt, oder das intermittent fasting, die zeitweilig aussetzende Nahrungsaufnahme. All diesen Methoden ist gemein, dass der Mensch nur gelegentlich weniger isst. Das soll vor allem auf den Stoffwechsel eine ähnlich positive Wirkung haben wie die dauerhafte Kalorienreduktion. Ist das wirklich so?

Schon seit den zwanziger Jahren ist aus Laborversuchen bekannt, dass Lebewesen deutlich länger leben, wenn man sie auf Magerkost setzt. Ob Affe, Hefe oder Fisch – wer 20 bis 50 Prozent weniger Kalorien als üblich bekam, wurde, in Menschenjahren gerechnet, bis zu 160 Jahre alt. Beobachtungen an sehr alten Menschen oder an solchen, die sehr viel weniger essen, sprechen dafür, dass auch Menschen vom Kalorienverzicht profitieren. Etwa eine Studie mit Namen Calerie 2, bei der Probanden über zwei Jahre 25 Prozent weniger Kalorien zu sich nahmen: Deren Blutdruck sank, der Cholesterinpegel besserte sich, Vorstufen von Diabetes bildeten sich zurück.

Aktivisten gründeten daraufhin die Calorie Restriction Society, die aus eingeschworen (und sehr dünnen) Mitgliedern besteht, die freiwillig hungern. Leider hat die Sache einen Haken: Es ist knifflig, mit viel weniger Nahrung im Gedärm auszukommen. Von den Mitgliedern der Society heißt es im lesenswerten Buch Hunger von Sharman Apt Russell, sie seien introvertiert, diszipliniert, ja fast obsessiv beim Kalorienzählen, und ihre Libido sei eingeschränkt. Man könnte daraus folgern: Für ein normales Leben braucht es ein paar Kalorien mehr. Die Probanden der Calerie 2- Studie durften deswegen auch weit mehr konsumieren, als es die langlebigen Labortiere getan hatten.

Aber die Ernährungsforscher blieben dran und entdeckten einen versöhnlichen Mittelweg zwischen Fasten und Diät. Junge, übergewichtige Frauen durften sich fünf Tage lang einigermaßen normal ernähren und bekamen dann zwei Tage lang nur noch ein Viertel der üblichen Nahrungsmenge vorgesetzt. Ihre Labor- und Blutdruckwerte verbesserten sich wie bei einer durchgehend kalorienreduzierten Kost. Es war die Geburtsstunde der 5:2-Diät oder des intermittierenden Fastens.

Sofort warf sich die Diät- und Wohlfühlindustrie auf das Konzept und entwickelt seitdem immer neue Glücksformeln. "Das ist vielfach überzogen und oft Geschäftemacherei", sagt Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin in München. Dennoch räumt er ein, dass zumindest die 5:2-Diät für manchen Menschen nützlich sein könne. "Das ist ein Konzept, das auch ich seit Jahren immer wieder Leuten empfehle", sagt er, "nämlich denen, die es nicht schaffen, ihre Ernährung auf Dauer umzustellen – vor allem nicht am Wochenende." Die gleichen positiven Effekte seien aber auch mit einer "mäßig energiereduzierten Mischkost" zu erreichen.

Diese Mischung, eine Zeit lang gut zu essen und dann ein, zwei Tage nur noch 500 bis 600 Kilokalorien zu sich zu nehmen, entspricht offenbar einem alten Ernährungsmuster. In der Urzeit musste der menschliche Körper auf ständige Wechsel zwischen Über- und Unterversorgung eingerichtet sein.