Zehn Jahre ist es her, da erschütterte eine Ad-hoc-Mitteilung der IKB Mittelstandsbank die Öffentlichkeit. Was am 30. Juli 2007 in der Meldung stand, wäre als Verlautbarung einer Großbank wenige Tage zuvor unvorstellbar gewesen. Die IKB erklärte, ihre Kreditwürdigkeit sei infrage gestellt, sie bekam am Markt praktisch kein Geld mehr. Wegen der Krise am Hypothekenmarkt der USA werde ihr Ergebnis deutlich schlechter ausfallen. Es kam noch härter: Die Förderbank KfW hatte über das Wochenende als Retter einspringen müssen.

Die Meldung war ein Schock. Die Immobilienkrise war in Europa angekommen. Das war der Auftakt zur größten Bankenkrise nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Zusammenbruch der IKB steht in Deutschland für all das, was damals in der Bankenwelt schiefgelaufen war: eine Bank, die sich besser auf die Finanzierung des heimischen Mittelstandes konzentriert hätte, die aber in einem ungebremsten Größenwahn in wenigen Jahren zu einem global agierenden Institut herangewachsen war. Ein Vorstand, der die Öffentlichkeit über das Ausmaß der drohenden Verluste hinters Licht führte und Privatanschaffungen von der Bank bezahlen ließ. Eine Strategie, durch die die Bank Milliarden in hochriskante Wertpapiere investierte, ohne die Risiken bewerten zu können. In London und an der Wall Street machten sich die Investmentbanker über diese "Dummköpfe aus Düsseldorf" lustig, die der Bewertung der Ratingagenturen trauten und Geld in riskante Produkte steckten.

Der Fall IKB zeigte zudem, wie nichtsahnend viele Aufsichtsratsmitglieder von Banken waren. Er ist ein Sinnbild für Aufsichtsbehörden und Notenbanken, die die Krise weder kommen sahen noch richtig einschätzten. Der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, machte sich am besagten Wochenende darüber lustig, dass der damalige Chef der Bankaufsicht, Jochen Sanio, den Fall der IKB mit dem Beginn der Bankenkrise der dreißiger Jahre verglich – eine nicht abwegige Einschätzung.

Die IKB musste mit fast zehn Milliarden Euro Steuergeld gerettet werden. Es folgten staatliche Rettungsaktionen, um das vernetzte Bankensystem vor dem Kollaps zu bewahren, darunter waren einige der größten Finanzinstitute der Welt wie Merrill Lynch, die amerikanische AIG, Lehman Brothers, etliche britische Banken, die schweizerische UBS. Hierzulande wackelten neben der IKB etwa die Commerzbank und die WestLB.

Zehn Jahre später ist das Vertrauen in die Banken noch immer gestört, die Erinnerung an den Beinahe-Zusammenbruch bleibt präsent. Zu Beginn der Krise sagte Anshu Jain, der damalige Chef des Investmentbanking der Deutschen Bank: "Jetzt kommen zehn Jahre mit drakonischen Vorschriften und Regulierungen. Das wird hart. Dann wird die Welt merken, dass das Wachstum zu schwach ist und dass man überreagiert hat. Aber die ersten zehn Jahre müssen wir überstehen – da müssen wir durch." Er hat recht gehabt, es waren zehn harte Jahre. Und Jain hat wie nahezu alle einflussreichen Banker aus der Krisenzeit diese Spanne nicht überdauert.

Zwei Fragen stellen sich heute: Sind die Banken heute sicherer? Und: Kann so eine Krise noch mal eintreten?

Die erste Frage ist nach Jahren der Regulierungsarbeit positiv zu beantworten: Ja, die Banken und das Finanzsystem sind heute sicherer. Die damals bewusst "lockere Regulierung", mit der die Finanzplätze in London und New York Finanzgeschäfte anlocken wollten, mussten einem System weichen, in dem Banken vorgeschrieben wird, was sie zu tun und zu lassen haben, und das auch kontrolliert wird. Das Mantra, Wettbewerb allein reiche aus, um Missstände auszumerzen, wurde ad acta gelegt.

Banken wurden gezwungen, ihre riskanten Geschäfte drastisch zu reduzieren. Heute müssen die größten Banken der Welt zehnmal so viel Eigenkapital als Sicherheitspuffer vorhalten wie zuvor. Die Quersubvention des Investmentbankings mithilfe des Kapitals aus dem klassischen Bankgeschäft funktioniert nicht mehr. Bis auf wenige Global Player konzentrieren sich deshalb heute nahezu alle Banken auf ihr heimatliches Kerngeschäft. Investmentbanking machen sie nur noch für den eigenen Kundenkreis.

Hinzu kommt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken, die es den Banken schwerer macht, Geld zu verdienen. Gemessen am Eigenkapital, beträgt der Gewinn der Banken der Währungsunion heute nur ein Viertel des Vorkrisenwertes.