Das große Wunschdenken kommt trivial daher, in Gestalt einer sperrigen Vokabel aus dem Jargon der Klimabürokratie: "Negativemissionen". Sie steht für das Prinzip Hoffnung. Dabei sollte sie uns besser eine Mahnung sein, denn das Denken in Negativemissionen könnte zur Falle werden.

Negativ steht hier für Minus, und die Emissionen sind gar keine. Das heißt: Treibhausgas soll nicht in die Atmosphäre gepustet, sondern stattdessen eingefangen und sicher verstaut werden – in einem Ausmaß, dass unterm Strich mehr Treibhausgase verschwinden als emittiert werden ("Netto-Negativemissionen"). Gemessen am Stand der heutigen Technik, ist das unrealistisch. Bislang wird nur sporadisch und in Pilotprojekten negativ emittiert. Und doch ist das seltsame Kunstwort längst Bestandteil vieler Klimaschutzkalkulationen.

Rund 900 verschiedene Zukünfte hat der Weltklimarat für seinen letzten Sachstandsbericht durchgerechnet. Und viele Szenarien, in denen bis 2100 das Zwei-Grad-Ziel irgendwie erreicht wird, setzen Negativemissionen voraus. Das heißt: Das Prinzip Hoffnung ist fest eingeplant. Denn bald wird die Menschheit so viel CO₂ ausgestoßen haben, wie sie maximal darf. Dann benötigt sie eine Minustechnik – die sie aber erst noch entwickeln muss.

Womit wir mitten im Geoengineering wären, dem ingenieursmäßigen Eingriff ins Erdsystem, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dazu wird zweierlei gezählt: erstens Maßnahmen für Negativemissionen (siehe oben), zweitens Eingriffe in die Strahlungsbilanz der Erde. Wenn weniger Sonnenstrahlen die Erdoberfläche erreichen, soll das den Treibhauseffekt dämpfen.

Am populärsten ist die Pinatubo-Idee, benannt nach einem philippinischen Vulkan, popularisiert vom Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen: Nach dem Ausbruch des Pinatubo reflektierten Schwefelpartikel in der Stratosphäre das Sonnenlicht und führten so zu weltweiter Abkühlung. Da könnte man doch auch künstlich Teilchen in die Stratosphäre bringen ... Aber sollte man das auch tun? Im Fachblatt Science fasst Ulrike Niemeier vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie den Stand der Forschung zusammen. "Ungewisse Effizienz" bei unwägbaren "potenziellen Nebenwirkungen" – das klingt ziemlich ernüchternd.

Auffällig ist, wie vorsichtig, ja defensiv die Forschersprache in Sachen Geoengineering ist. "Ernsthafte Risiken, bekannte wie unbekannte", "ein Gedankenexperiment" und "Ultima Ratio", so klingt es auch in zwei weiteren Science- Beiträgen zum Thema. Wenn aber schon die Fachleute für solche Himmelstechnik skeptisch sind, sollte man auf diese Art von Hoffnung lieber nicht allzu sehr setzen.

Sonst macht sich die Klimapolitik abhängig von einer Technik, die wir heute noch nicht haben. Und morgen womöglich nicht beherrschen.