Donald Trump hat, das muss man ihm lassen, Sinn für Humor und Selbstironie. Er macht Witze über seine Frisur, und als die Welt über seinen seltsamen Covfefe-Tweet lachte, lachte er mit. Nur hat der Humor noch keinen Sinn für Trump.

In den USA sind seit einigen Jahren Late-Night-Shows erfolgreich, die satirisch über Politik berichten. Auch in Deutschland sind die Sendungen von Stephen Colbert, John Oliver, Trevor Noah und Jessica Williams beliebt, die man sich auf YouTube ansehen kann. Jan Böhmermanns Sendung Neo Magazin Royale und Oliver Welkes heute-show orientieren sich an diesen amerikanischen Formaten, die es mittlerweile in fast jedem europäischen Land, von Portugal bis Litauen, gibt.

Seit Trumps Wahlsieg haben die Late-Night-Shows jedoch ein Problem. Die herkömmlichen Mittel der Satire funktionieren nicht bei einem Präsidenten, der sich keine Mühe gibt, glaubwürdig zu wirken. Ein Politiker, dem egal ist, ob er der Lüge überführt wird oder nicht, ob er sich in Widersprüche verwickelt oder nicht – für Satiriker ist das eine kreative Katastrophe. Die Witze, die in den Late-Night-Shows über Trump gemacht werden, sind fast immer fade und vorhersehbar. Es geht um seine kleinen Hände, sein gestörtes Verhältnis zu Frauen – und natürlich um seine Frisur.

Ein fest etabliertes Stilmittel der politischen Parodie ist das schnelle Aneinanderschneiden zweier widersprüchlicher Aussagen eines Politikers. Barack Obama versprach zu Beginn seiner Amtszeit, Guantánamo innerhalb von 100 Tagen zu schließen. Das klappte bekanntlich nicht; seine Absicht verkündete Obama dafür Jahr für Jahr von Neuem. Solider und klassischer Late-Night-Humor: all diese nicht gehaltenen Versprechen hintereinander zu zeigen.

Bei Trump und bei den meisten seiner Kabinettsmitglieder funktioniert diese Methode der Entlarvung nicht mehr. Dass Trump inkohärent redet und handelt, ist so offensichtlich, dass es keine geistreiche Leistung ist, dies festzustellen. Ein Beispiel von vielen: Im Wahlkampf fordert Trump, dass gegen Hillary Clinton ermittelt werden soll; er lobt den damaligen FBI-Direktor James Comey dafür, dass er einem Verdacht nachgeht, als außergewöhnlich unabhängig. Wenige Monate später als Präsident entlässt Trump Comey jedoch, weil der sich auf Trumps "Bitte" weigert, bestimmte Ermittlungen fallen zu lassen. Es ist, als wäre mit Trump die Karikatur, die die Satiriker noch in jedem Politiker gesehen haben, Wirklichkeit geworden: berechnend, unehrlich, unseriös, prestige- und machthungrig, ohne jedes Unrechtsbewusstsein.

Eine Stärke der Late-Night-Shows bestand stets darin, dass sie es mit den Standards journalistischer Redlichkeit nicht so ernst nehmen mussten. Jon Stewart kokettierte mal damit, dass er Fake-News produziere. Dieses lockere Verhältnis zur Wahrheit haben sich die Shows bis heute bewahrt. In den Sendungen kehren Witze darüber wieder, dass Trump sich angeblich in Moskau von Prostituierten hat anpinkeln lassen und der Kreml ihn mit Aufnahmen von diesem Ereignis erpresst. Ob so etwas jemals stattgefunden hat, ob der Kreml überhaupt gegen Trump etwas in der Hand hat – das ist nicht erwiesen. Und wie soll politische Satire einen Präsidenten für seine Übertreibungen und Unaufrichtigkeiten kritisieren, wenn sie doch selbst mit diesem Stilmittel arbeitet, um die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu gewinnen? Trump ist wie die Komiker – ein Entertainer. Nur dass er eben im Weißen Haus sitzt.

Die Late-Night-Shows, die oft so temporeich und pointensicher wirken, erinnern seit Trumps Wahl ein bisschen an das gute alte Kabarett, bei dem eine Gruppe Gleichgesinnter gemütlich beisammensitzt und immer schon weiß, wie die Witze ausgehen. Das Dilemma der Late-Night-Shows zeigt die Hilflosigkeit derer, die Trumps Präsidentschaft zu verstehen versuchen. Wie ist einem Politiker wie ihm beizukommen?

Die bislang beste Satire zum Phänomen Trump wurde gerade abgesetzt: Sean Spicer machte sich Woche für Woche live dabei lächerlich, Trumps Politik gegen Nachfragen von Journalisten zu verteidigen. Nun ist Spicer, der (reale) Pressesprecher des Präsidenten, zurückgetreten.