Die Teuerste

Diese weiße Tigerin hat August der Starke einst in Auftrag gegeben; er wollte, dass die Tierfigur aus Porzellan sein Japanisches Palais schmückt. Und er beauftragte damit Meißens ersten Bildhauer: Johann Gottlieb Kirchner. Der gestaltete tatsächlich um 1733 eine Tigerin, 74 Zentimeter groß – allerdings wurde sie im Lauf der Zeit irgendwann einmal fälschlicherweise als Löwin deklariert und ging in Privatbesitz über. Seitdem heißt sie offiziell: "Weiße Löwin". Als solche machte sie 2011 auch Schlagzeilen. Damals versteigerte das Auktionshaus Lempertz die Figur an einen japanischen Sammler, der rund 1,1 Millionen Euro bot. Die Tiger-Löwin ist damit das teuerste je in Deutschland versteigerte Porzellan.

Die Scherben

Manchmal sind sogar Scherben aus Meißen noch wertvoll: wie im Fall dieser kaputten Augustus-Rex-Vasen aus dem 18. Jahrhundert, mit emaillierten Lotusblüten im Stil chinesischen Porzellans. Teile davon konnten vor sieben Jahren für 2.000 bis 4.000 Euro in London versteigert werden. Denn diese Scherben erzählen eine Geschichte: Der jüdische Bankier Gustav Klemperer von Klemenau, einstmals Direktor der Dresdner Bank, war ein leidenschaftlicher Meissen-Sammler, er hatte die Vasen erworben. 1938 raubten die Nationalsozialisten sein Porzellan. Während des Luftangriffs auf Dresden gingen die Vasen auf einem Lkw im Dresdner Schlosshof zu Bruch.

Die Rückkehrerin

So sieht eine Bonbonniere aus, wenn sie aus Meißen kommt: Diese Meerjungfrau wurde 1738 geschaffen, über ihren Kopf stemmt sie eine Muschelhälfte, in die soll Konfekt gelegt werden. Die Figur ist Teil eines barocken Tafelgeschirrs namens Schwanenservice, das dem sächsischen Grafen von Brühl gehörte. 1945 ging sie verloren, 1998 tauchte sie wieder auf: in einer Museumsvitrine im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio. Ausfindig gemacht hatte sie der damalige Direktor der Dresdner Porzellansammlung, Ulrich Pietsch. Er flog in die USA und erwirkte, dass die Meerjungfrau 2011 als Leihgabe wieder an ihren Platz kam: in die Porzellansammlung Dresden.

Der Siegertyp

Es war das Jahr 1896, als sich die Manufaktur Meissen neu erfinden wollte: In einem betriebsinternen Wettbewerb rief sie ihre Mitarbeiter dazu auf, "zeitgemäßes und billiges" Geschirr zu entwerfen. Da reichte der 24-jährige Konrad Hentschel ein Frühstücksservice ein, das schon kurz danach als "Krokus" weltberühmt werden sollte: Auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 wurde Hentschel dafür bejubelt, sieben Jahre später verstarb er mit nur 35 Jahren in Meißen. Bis heute gilt Hentschel als einer der bedeutendsten Porzellanmodelleure des Jugendstils.

Der Mensch

In der DDR wurde aus der Meissener Porzellanmanufaktur ein VEB – ein volkseigener Betrieb. Und damit ein Politikum. Auf Wunsch des Handelsministeriums zum Beispiel wurde das "Kollektiv Künstlerische Entwicklung" gegründet. Es sollte zeitgemäßes Porzellan herstellen – und es musste sich dann und wann die Spezialwünsche der Staatsoberen anhören. Beim Besuch einer Ausstellung etwa beschwerte sich der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht über die vielen Tierplastiken. Viel lieber, so Ulbricht, hätte er es gehabt, wenn arbeitende Menschen dargestellt würden! Das Kollektiv sträubte sich – ein bisschen. Es schuf im Jahr 1967 zwar menschliche Figuren, aber keine Arbeiter. Diese hier heißt "Lanzelot", 68 Zentimeter groß.

Das Biedere

Wenn Erich Honecker seine Gäste aus dem Westen beeindrucken wollte, lud er sie ins Jagdschloss Hubertusstock ein. Das liegt am Werbellinsee in der Brandenburger Schorfheide. Dort, in den Gästehäusern, durften die Besucher die Tagesschau gucken, also Westfernsehen. Und sie durften von Meissener Porzellan essen, Dekor "Weinlaub". Dessen Grün sollte das Leben symbolisieren, der Wein den Geist, und der Kranz ein Zeichen der Ehre sein. Heute wirkt das Muster etwas bieder, wird aber noch immer auf Meissener Teller gemalt. Honecker tischte seinerzeit in den Weinlaub-Schälchen übrigens Kraftbrühe oder Krabbencocktail auf. Dazu gab’s sowjetischen Wodka oder Weißwein – auch Letzterer kam aus Meißen.

Der Mops

In den späten 2000er Jahren wollte Meissen ein Luxuslabel werden. Damals wurde dieser Porzellan-Mops ins Sortiment aufgenommen: Er trägt statt eines Halsbands ein winziges Diamantencollier. Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone soll begeistert davon gewesen sein, er kaufte jeder seiner drei Töchter eine Figur. Ganz neu ist der Mops aber nicht: Schon Kurfürst August der Starke schenkte seiner Geliebten Gräfin Cosel einen solchen Hund aus Porzellan. Das Motiv geht zurück auf das 18. Jahrhundert. Damals entstand der "Mops-Orden", die Karikatur eines Geheimbundes. Der Orden ließ im Gegensatz zu anderen auch Frauen zu und machte sich über die Rituale der Freimaurer lustig: Neumitglieder mussten den Hintern eines Porzellan-Mopses küssen. Heute trägt man den Meissen-Mops um den Hals, ums Handgelenk oder am Ohr. Kostenpunkt: um die 700 Euro.

Die Schmucken

Als Sachsens Premier Stanislaw Tillich 2009 den damaligen US-Präsidenten Barack Obama empfing, und zwar in der Schatzkammer Augusts des Starken, da überreichte er ihm diese Manschettenknöpfe. Sie sollten den neuen Meissener Geist symbolisieren: Denn sie bestanden nicht aus Porzellan, sondern aus 18-karätigem Rosé-Gold. Die eingravierten gekreuzten Schwerter zeigten "stolz das Markenzeichen der Manufaktur", hieß es. Das Geschenk sei ein Symbol für die "hohe Handwerkskunst und gelebte Tradition". Kurz danach jedoch musste Sachsens Finanzminister Georg Unland zugeben: Hergestellt wurden die Manschettenknöpfe gar nicht in Meißen, dafür in Mailand. Es habe sich um eine Auftragsarbeit gehandelt, die lediglich nach Meissener Entwürfen umgesetzt worden war.