HafenCity, Am Sandtorkai 70, eine der teuersten Lagen der Stadt. Mit dem holzvertäfelten Aufzug geht es in den siebten Stock, man landet auf einer Dachterrasse, die so groß ist wie zwei Stadtwohnungen. Schräg gegenüber, als ließe sich hinübergreifen: die Elbphilharmonie. Hieß es nicht früher mal, Start-ups säßen in Garagen?

Hier sitzt Exporo. Geschäftsmodell: nach lukrativen Immobilienprojekten suchen, dann Kleinanlegern die Möglichkeit geben, in diese Bauvorhaben zu investieren. Auf der Dachterrasse empfängt Simon Brunke, 35 Jahre, der Chef. "Wir tummeln uns in einem Milliardenmarkt", sagt er. Kurze Pause. "Im Grunde ist es sogar ein Billionenmarkt." Offenbar fehlt es hier nicht an der Bereitschaft, groß zu denken.

Unternehmertum in Hamburg, das sind nicht nur Milliardäre und Dynasten, sondern auch Hunderte von Start-ups, die zusammen eine der vibrierendsten Gründerszenen der Republik ergeben. Und offenbar läuft es gut, zumindest lässt das diese Dachterrasse erahnen. Aber wie gut? Zu einer Start-up-Szene, die etwas auf sich hält, gehört, dass sich aus der Masse der jungen Firmen ab und zu mal eine herausschält, eine, die tatsächlich das nächste große Ding werden könnte, wie das im Gründerjargon heißt. Der Spielehersteller Bigpoint war so ein Unternehmen, wurde dann allerdings nur mittelgroß. Die Finanzrevoluzzer von Kreditech sind es immer noch. Vor wenigen Wochen haben Risikokapitalgeber 110 Millionen Euro in die Firma gepumpt. Gehört Exporo auch in diese Riege?

Deutschlandweit hat Exporo bisher 51 Immobilien mit Crowdinvestoren finanziert, davon 15 in Hamburg. Für die Anleger ist das einfach: Sie müssen bloß auf die Internetseite von Exporo gehen, eines der Projekte auswählen und dann ein paarmal klicken. Die Verzinsung liegt in der Regel zwischen fünf und sechs Prozent. In Nullzinszeiten ist das mehr als üppig – was eigentlich ein Hinweis auf mindestens ebenso üppige Risiken sein müsste. Bislang aber geht alles gut. Elf Projekte wurden bereits komplett getilgt, Ausfälle gab es bislang nicht. Im ersten Quartal ist das Geschäftsvolumen um 560 Prozent explodiert. Das lockt Risikoinvestoren an. Das Unternehmen hat gerade seine zweite Millionenfinanzierung binnen weniger Monate eingeheimst.

"Wir wollen das Amazon für Immobilien werden", sagt Geschäftsführer Simon Brunke

Simon Brunkes Vita ist einen Blick wert, sie liest sich anders als die anderer Start-up-Gründer. Klar, auch er ist Betriebswirt. Aber er hat keine der vornehmen Business-Hochschulen in Oestrich-Winkel oder Vallendar absolviert, er war nie Berater bei McKinsey, Ernst & Young oder KPMG, er hat auch nie bei den Samwer-Brüdern gearbeitet, den deutschen E-Commerce-Mogulen, denen unter anderem Zalando gehört.

Statt bei hippen Internetunternehmen verbrachte Brunke seine ersten Berufsjahre beim Touristikkonzern TUI, dann beim Autobauer Daimler. Danach machte er sich als Versicherungsmakler selbstständig – das Gegenteil von cooler Start-up-Szene. Aber Brunke hatte Erfolg. Aus seiner Wika AG wurde, auch durch Fusionen, einer der größten deutschen Versicherungsvertriebe. 2011 verkaufte Brunke seine Anteile. Zwei Jahre später stieg er endgültig aus.

Seine Gedanken waren da schon bei einer neuen Geschäftsidee. Mitte 2013 sprach ihn ein Bekannter aus der Immobilienbranche an: Ein Mandant würde gern ein größeres Wohnhaus in der Barmbeker Drosselstraße bauen, es mangele ihm allerdings an Kapital, rund 1,2 Millionen Euro fehlten. Ob Brunke nicht eine Idee habe? Klassischerweise sind das Fälle für Golfclub-Connections. Ein Dutzend Großverdiener, jeder gibt 100.000 Euro.

Brunke aber hatte eine andere Idee. Gemeinsam mit einem Kumpel, der sich im Online-Geschäft auskennt, schaltete er im Internet Anzeigen: "Einfach & direkt investieren – 6 % Zinsen, 2 Jahre Laufzeit." Nach einem halben Jahr hatten sie das Geld beisammen – und ein neues Geschäftsmodell. Exporo startete offiziell.

Rundgang durch die Büros, 1.200 Quadratmeter auf zwei Etagen, im April bezogen. Viel helles Holz, viele bunte Farben, alles durchgestylt. Exporo hat sich dieselben Innenausstatter gegönnt wie die Deutschland-Tochter von Facebook. In der Küche stehen vier leere Bierkästen, sie stammen vom Vorabend, da gab es eine kleine Feier. Anlass: Die vier Gründer verkündeten den mittlerweile rund 60 Beschäftigten, dass diese einen kleinen Anteil an der Firma geschenkt bekommen. Gesamtwert: 1,5 Millionen Euro, also 25.000 Euro pro Mitarbeiter, zumindest auf dem Papier. Kein selbstloser Akt, Schmierstoff für die Arbeitsatmosphäre.