DIE ZEIT: Es wird spekuliert, ARD und ZDF verhandelten nun doch wieder über die Direktübertragungsrechte an den Olympischen Spielen. Im Herbst wurden die Gespräche wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen eingestellt. Was ist an dem Gerücht dran?

Thomas Fuhrmann: Es stimmt, wir sprechen miteinander. Wir arbeiten daran, dass es vielleicht doch noch gelingen könnte, unseren Zuschauern Wettkämpfe live zu übertragen. Erst einmal geht es um die Winterspiele im kommenden Jahr im südkoreanischen Pyeongchang.

ZEIT: Von wem ging die Initiative aus?

Fuhrmann: Der Gesprächsfaden ist nie abgerissen.

ZEIT: Sind Sie nun doch bereit, mehr Geld zu bezahlen, da Sie durch den zusätzlichen Verlust der Rechte an der Übertragung der Champions League, (CL), unter Druck geraten sind?

Fuhrmann: Wir sind nicht unter Druck. Dass die Verhandlungen zunächst gescheitert sind, zeigt ja: Wir zahlen nicht jeden Preis.

ZEIT: Trotzdem kann man den Eindruck gewinnen, der Sport im ZDF verliere seit Ihrem Dienstantritt am 1. Februar 2017 Stück für Stück an Inhalten. Erst die Olympischen Spiele, dann geht die CL verloren – was kommt als Nächstes?

Fuhrmann: Wenn Sie mir zugehört haben, sollten Sie bemerkt haben: So schnell geben wir nichts verloren.

ZEIT: War Ihnen bewusst, welche Einschnitte als Redaktionsleiter Sport auf Sie zukommen würden?

Fuhrmann: Na, ich bin ja nicht auf einem neuen Planeten gelandet. Von 2005 bis 2010 habe ich bereits als stellvertretender Sportchef gearbeitet und das Sportstudio geleitet. Der Kontakt zur Sportredaktion und zu meinem Vorgänger Dieter Gruschwitz blieb immer bestehen. Trotzdem hat mich der Verlust der CL überrascht und getroffen. Ich bin im Dezember 2016 wieder nach Mainz gekommen, kurz zuvor fiel die Olympia-Entscheidung. Mein Entree bestand also darin, den Verlust der Rechte an der Übertragung der Spiele zu verkünden – seit gefühlten 200 Jahren zum ersten Mal. Als ich Anfang Februar meine erste große Konferenz in der Sportredaktion geleitet habe, an der 80 bis 100 Leute teilnehmen, sagte ein Kollege: Hör mal, das ist hier ja ein sinkendes Schiff.

ZEIT: Befinden Sie sich schon in Seenot?

Fuhrmann: Nein. Es gibt keinen Grund für Untergangsszenarien. Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir sind.

ZEIT: Nämlich?

Fuhrmann: Wir sind nach wie vor ein wichtiger Marktteilnehmer, haben attraktive Sportrechte.

ZEIT: Machen Sie sich nicht etwas vor, wenn Sie glauben, Sie könnten in Zukunft auf dem Rechtemarkt mit Unternehmen wie Amazon mithalten? Ein Unternehmen mit einem Umsatz von 36 Milliarden Dollar im Quartal!

Fuhrmann: Wir werden im Konzert der Großen weiter mitspielen – trotz der neuen Player.