Natürlich ist Bernhard Langer nicht ewige Jugend beschieden. Das Knie, die Schulter – es gibt da immer wieder ein paar Baustellen, und außerdem ist gerade runder Geburtstag. Im August 2017 wird er 60, und das ist selbst im Golfsport ein fieses Handicap.

Aber kein Problem. Nicht für Langer. Dessen Uhrwerk tickt anders. Zurück in die Zukunft – irgendwie so. Weil: Je älter, umso besser. Umso erfolgreicher. Umso zeitloser.

Mag die Welt auch kopfstehen, er und seine Turniererfolge sind seit über vier Jahrzehnten eine letzte deutsche Konstante. Da reicht kein Kohl heran, auch keine Merkel: Das Wörtchen "ewig" gehört allein dem Mann aus Anhausen, dessen Rüstung nach nunmehr 42 Profijahren und 105 internationalen Titeltriumphen "keine verwundbare Stelle mehr kennt". So urteilt zumindest Konkurrent und Weggefährte Tom Lehman, 58.

Man könnte denken: alles gespielt und genug gewonnen. Aber so einfach ist das nicht, denn "es gibt nichts Besseres, als zu siegen". Sagt Langer und siegt, wie zuletzt, bei gleich zwei Major-Turnieren der PGA Tour Champions hintereinander.

Die großen Pokale Numero acht und neun. Back to back, wie die Amerikaner sagen. Überflügelt ist damit der bisherige Rekordhalter Jack Nicklaus (8 Majors). Und Sahnehäubchen obendrauf: Langers Triumph beim letzten ihm noch fehlenden Major, den Senior PGA Championship, was bedeutet: Career Super Slam.

Well done, Mr. Perfect. Und zugleich: Schluss mit lustig für all jene älteren Herren über 50, die auf der in Amerika überaus beliebten PGA-Seniorentour einfach nur Spaß am Spiel haben wollten. Sagt etwa Olin Browne, 58: "Ich muss mein Bunkerspiel verbessern, meine Abschläge, meine Putts. Um überhaupt eine kleine Siegchance zu haben, muss ich einfach in allem besser werden, denn da draußen ist ein Mann, der mittlerweile einen ganz anderen Standard setzt. Wir sehen ihn spielen, und wir sehen, dass er selbst an seinen schlechten Tagen vier oder fünf Schläge unter Par liegt. Das ist Bernhard. Er ist das Ziel. Ihn gilt es zu erreichen."

Nicht anders urteilen Kenny Perry, 56, oder John Daly, 51, Colin Montgomerie, 54, oder José María Olazabal, 51. Und es ist Bart Bryant, 54, der sagt: "Bernhard ist unser Tiger Woods, und ich meine damit den Tiger Woods in seinen guten Tagen."

Das klingt fast nach Heiligsprechung und führt zur Frage: Wie macht er das? Dazu eine typische Langer-Rechnung. Sie lautet: "Wenn ich es schaffe, nur jeden einzelnen Turniertag einen halben Schlag besser zu werden, dann wäre das phänomenal. Auf ein Major gerechnet wären das zwar nur zwei Schläge weniger als mein Durchschnitt, aber auf die Saison bezogen könnte ich sieben, womöglich gar acht Turniere gewinnen. Mein Ziel also ist es, immer noch besser zu werden, und ich weiß zutiefst, dass ich das immer noch kann."

Ehrgeiz, Disziplin und unbedingtes Wollen – es war nie anders. Da sind ein paar Biomoleküle in seiner DNA, die Langer resistent machen gegen jede Art von Laisser-faire. Man könnte ihn einen letzten Preußen nennen, stammte er nicht aus Bayern. Terry Holt, 58, nennt das "gute alte Schule". Und fügt hinzu: "Bernhard macht immer weiter, er steckt nie auf."

Terry Holt trägt Langers Tasche. Er ist sein Schatten und zugleich sein Spiegelbild. In Caddie-Kreisen nennen sie ihn "Tidy Terry", denn Ordnung halten geht ihm über alles. Überhaupt: Er ist die Zuverlässigkeit in Person. Da gibt es keine halben Sachen, nur akkurate Pflichterfüllung bei vollem Einsatz. "Terry ist, ganz so wie ich, ein harter Arbeiter", sagt Langer. "Ich denke, er übertrifft mich in dieser Hinsicht sogar, und das schätze ich sehr an ihm."

Nicht die einzige Parallele. Wie Langer hat Holt vier Kinder. Wie Langer ist Holt, der eigentlich aus Manchester stammt, mit einer Amerikanerin verheiratet und lebt in Florida. Und wie Langer ist er zutiefst verwurzelt im Glauben an Jesus Christus, ein Mann, der wie sein Chef drei Dinge über alles stellt: "Fleiß, Loyalität und Treue." Das passt, auch wenn Langer zugibt: "In der Hitze des Gefechts haben wir auf dem Platz schon auch unsere Meinungsunterschiede. Ich muss ihm dann manchmal sagen: Hör auf, mir dies und das zu predigen, ich muss jetzt den Schlag ausführen, wir haben nicht alle Zeit der Welt."