Tito Tettamanti ist Financier. Er lebt im Tessin. © Andreas Meier/Reuters

Menschen sind nicht daran interessiert, die Ursache für ihren Unmut zu eruieren, sondern viel eher daran, einen Schuldigen zu finden. Auch wenn es um die Enttäuschung geht, die sie heute erleben, weil die Welt, die man ihnen immer und immer wieder versprochen hat, nicht die Welt ist, in der sie leben.

Der amerikanische Intellektuelle Ilya Somin schreibt in seinem Buch Democracy and Political Ignorance: Why Smaller Government Is Smarter: Die Schwäche der Demokratie gründe auf die Ignoranz ihrer Bürger. Die Probleme seien heute derart komplex, dass kaum einer mehr sie versteht. Umfragen haben ergeben, dass in den USA nur etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung angibt, Obamacare verstanden zu haben; immerhin eine der wichtigsten Reformen der vergangenen Regierung.

Oft mangelt es den Bürgern aber schlicht am Interesse für die Politik, auch aufgrund der falschen Idee, dass die einzelne Stimme unter Millionen anderen sowieso keinen Einfluss habe.

Was aber wäre die Alternative? Eine Expertokratie, wie es einige Denker vorschlagen. Ich bezweifle das.

Der blinde Glauben an die Spezialisten, die meinen, durch Extrapolation von jahrzehntelangen Datenreihen die Zukunft voraussehen zu können, kann sich auch als gefährlich erweisen. Die berühmte Voraussage des Club of Rome ist das beste Beispiel dafür. Er behauptete im Jahr 1972, dass Ende der achtziger, anfangs der neunziger Jahre die Welt über keinen Tropfen Erdöl mehr verfügen würde. Ein Vierteljahrhundert später ertrinken wir fast im Öl.

Also, was tun? Mein Vorschlag: Die Welt soll sich ein Vorbild an der Schweiz nehmen.

Die direkte Demokratie macht die Schweizer Bürger zu den bestinformierten der Welt. Sie werden geschult durch die ständigen Abstimmungen über Initiativen und Referenden sowie die medialen oder privaten Debatten über die jeweils gerade anstehenden Fragen.

Ja, wenn ich auf die heutige Lage der Welt, geführt von technokratischen Experten sehe, bin ich stolz, der Gilde der dauerbeschäftigten Schweizer Demokraten anzugehören.

Um die Demokratie vor der Ignoranz zu retten, braucht es aber auch einige strukturelle Formen. Will heißen: mehr Subsidiarität und Föderalismus.

Anstatt die Themen, die als weltweite Probleme zu kompliziert und komplex erscheinen, immer weiter nach oben an irgendwelche technokratische Instanzen zu delegieren, sollte man sich anstrengen und versuchen, sie zu vereinfachen – und so weit als möglich auf lokaler Ebene zu beurteilen und zu lösen. Erinnern Sie sich an die seltsame Wortschöpfung "glokal"? Sie trifft die Sache nach wie vor auf den Kopf: global denken, lokal handeln. Leider wird das viel zu selten versucht.

Doch Ilya Somin geht noch weiter. Er empfiehlt, dass der Staat all jene Aufgaben abgibt, die Private ebenso gut oder besser ausüben können – und sämtliche Reglemente und Bürokratien radikal zurück schneidet.