Dirk Nowitzki ist in diesem Sommer nur für gut drei Wochen in Deutschland. Sein Terminplan ist noch enger als in den Jahren zuvor. Zu dieser Verabredung in einem Hotel in Mainz zugunsten seiner Stiftung fährt er zusammen mit seinem Mentor und Trainer Holger Geschwindner vor. Nowitzkis hünenhafter Körper steckt in Turnschuhen, die Achillessehne des rechten Fußes ist bandagiert. Diese Verletzung hat ihn in den vergangenen Monaten immer wieder zu Auszeiten gezwungen. Trotzdem ist Nowitzki als Power Forward der Dallas Mavericks in der Form seines Lebens. Sein Verein hat den Vertrag mit ihm gerade um ein weiteres Jahr verlängert. Nowitzki lacht, kokettiert mit der Geschichte vom "alten Mann". Freundlich gibt er jedem die Hand. Auch denen, die in der Menschentraube um ihn herum in der fünften Reihe stehen.

DIE ZEIT: Herr Nowitzki, gehorcht Ihnen ein Golfball ebenso gut wie ein Basketball?

Dirk Nowitzki: Bedauerlicherweise kann davon keine Rede sein.

ZEIT: Im Netz kann man ein Video finden. Es zeigt Ihren Verein, die Dallas Mavericks, bei einem Golfturnier namens Mav Masters. Eine fröhliche Veranstaltung im Hackberry Creek Country Club von Dallas. Sie haben offensichtlich viel Spaß. Eine TV-Reporterin kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, Ihr Schwung sei furchtbar. Wie weit schlagen Sie denn einen Golfball?

Nowitzki: An schlechten Tagen 120 Meter, an guten Tagen etwas weiter.

ZEIT: Aus welcher maximalen Entfernung treffen Sie noch sicher den Korb?

Nowitzki: Ich verwende bei der Quote nicht den Begriff hundertprozentig – hochprozentig treffe ich den Korb aus einer Entfernung von 7, 50 bis 8 Meter.

ZEIT: Ähnelt für Sie eigentlich ein Freiwurf dem Putten beim Golf?

Nowitzki:Basketball ist ein Hallensport. Die Bedingungen bei einem Freiwurf sind immer gleich. Vor mir in gut drei Meter Höhe hängt der Korb, den ich treffen muss. Beim Golf habe ich es mit unterschiedlichem Wetter zu tun. Mit sich veränderndem Licht, mit einem langsamen oder schnellen Grün, das nach links oder rechts abfallen kann.

ZEIT: Golfer studieren das Grün, suchen die richtige Puttlinie. Wie zielt man mit einem Basketball?

Nowitzki: Um es einmal unwissenschaftlich zu sagen: Ich visiere die Vorderkante des Ringes an, dann werfe ich den Ball. Auch danach schaue ich weiter auf den Korb. Der Flug des Balles ist in diesem Moment egal.

ZEIT: Golflehrer predigen ebenfalls, dem rollenden Ball bloß nicht hinterherzuschauen ...

Nowitzki: ... ja, denn die Gefahr ist groß, den Ball im letzten Moment noch zu verziehen. Die Anspannung ist riesig, gerade dann, wenn man am Ende zwei Freiwürfe bekommt. Früher habe ich in solchen Momenten ein Lied gesummt. Irgendwann wird es dann zur Routine ...

ZEIT: ... zu viel Denken schadet nur?

Nowitzki: In diesem Fall ja. Eigentlich müsste ich – hochprozentig – den Korb immer treffen, aber dann verwerfe ich doch. Das passiert vor allem, wenn ich mir zu sicher bin. Dann komme ich zu früh aus den Knie heraus, und der Ball ist einen Tick zu kurz.