Was aussieht wie eine große Garage, ist für Pilger auf dem Weg zur Golfweisheit ein Wallfahrtsort: die Hütte 1 an der Golfarena im Club Fleesensee. Hier unterrichtet Oliver Heuler, Golflehrer seit 30 Jahren, jahrelang Nationaltrainer, PGA-Master-Pro auf Lebenszeit. Sein asketisches Gesicht mit der randlosen Brille verrät, was man in seinem Unterricht erwarten darf: klare Kante. Er hat eigens beim Sprachpapst Wolf Schneider Kurse belegt, um seine Schüler noch klarer anzusprechen und seine Bücher noch präziser zu machen. Für Heuler ist Lehren und Lernen eine lebenslange Mission; damit ihm mit Golf allein nicht langweilig wird, hat er sich in den letzten Jahren unter anderem Gewichtheben, Drachenfliegen und Motorradfahren beigebracht. Als Sportschütze brachte er es in vier Jahren zu vier deutschen Vizemeister-Titeln, dann hörte er wieder auf. Ein Mann mit Prinzipien also. Und der richtige Gesprächspartner für ein paar grundsätzliche Fragen.

DIE ZEIT: Wann haben Sie selbst mit Golf angefangen?

Oliver Heuler: Mit 16 Jahren, auf dem öffentlichen Golfplatz auf der Lausward in Düsseldorf. Als ich sah, dass Golfbälle 200 Meter weit fliegen, dachte ich: "Das ist Minigolf für Erwachsene, damit fange ich gleich an." Leider begann es so stark zu regnen, dass ich mich erst mal in der Stadtbibliothek mit Literatur versorgt habe. Bevor ich das erste Mal einen Schläger in die Hand nehmen konnte, hatte ich drei Golfbücher gelesen. So was prägt.

ZEIT: In welchem Alter fängt man am besten an?

Heuler: Wenn man Lust drauf hat – egal wie alt man ist. Spitzenspieler, die später anfangen als mit zwölf Jahren, sind allerdings selten und haben meist eine Vorgeschichte als Könner in einer anderen Sportart. Wichtiger als das Einstiegsalter ist allerdings ein anderer Faktor: das koordinative Talent. Ein spanischer Philosoph hat mal geschrieben: "Wem Gott hilft, der kommt weiter, als wer früh aufsteht." Das ist zwar ungerecht, aber so ist es nun mal.

ZEIT: Gibt es Menschen, die es nie lernen?

Heuler: Wer über wenig koordinatives Talent verfügt, noch nie eine Ballsportart betrieben hat, mit 70 Jahren anfängt und wenig Geduld mitbringt, für den wird Golf zu einer echten Prüfung des Charakters.

ZEIT: Ist Golf ein Sport für die ganze Familie?

Heuler: Es gibt wenige Sportarten, in denen es so egal ist, wenn man sie auf ganz unterschiedlichen Niveaus betreibt. Da die Nerven jedoch oft blank liegen, sollte die Chemie schon stimmen. Für Ehepaare ist Golf ein guter Test: Gibt es hier keine Probleme, sind die Voraussetzungen gut, dass die Ehe noch eine Weile hält.

ZEIT: Der Golfschwung gilt als eine der kompliziertesten Bewegungen im Sport. Welche Veranlagung muss man dafür mitbringen?

Heuler: Es gibt zwei Arten von Talent: das zur Feinsteuerung und das zur Grobsteuerung. Wer gut feinsteuern kann, trifft auch mit einem Hammer immer den Nagel auf den Kopf und ist generell bei Ballsportarten erfolgreich. Beim Golf bringt er den Schlägerkopf immer richtig an den Ball, auch wenn die Bewegung ganz unorthodox aussieht. Wer grobsteuern kann, ist eher für Sportarten ohne Ball geeignet: Tanzen, Turnen, Klettern. Der Grobsteuerer führt sehr schnell die Bewegung so aus, wie man es ihm vormacht oder erklärt. Sein Schwung sieht gut aus – das ist aber noch keine Garantie für gute Schläge, wenn es an der Feinsteuerung mangelt.

ZEIT: Wie viel ist erlernbar, wie viel ist Talent?

Heuler: Es ist derzeit en vogue, den Einfluss des Talents kleinzureden. Wer zehntausend Stunden ins Training investiert, könne überall Weltniveau erreichen, heißt es oft. Meine Erfahrung ist eine andere: Ich habe 15 Jahre lang einen kostenlosen Schnupperkurs geleitet und dabei 15.000 Leuten das erste Mal einen Golfschläger in die Hand gedrückt. Da sieht man ganz klar, dass die Leistungen auf einer gaußschen Normalverteilungskurve liegen. Es gibt wenig Supertalente, wenige koordinative Legastheniker und viel Mittelmaß. Bei einer koordinativ sehr anspruchsvollen Sportart bedeutet Mittelmaß jedoch, dass man viel trainieren muss, wenn man ein befriedigendes Maß an Konstanz beim Schlagen erreichen will.