ZEIT: Viele Spieler nehmen ein Leben lang Trainerstunden. Sie sagen, drei Stunden reichen.

Heuler: Ich sage nicht, dass man nach drei Stunden bei mir nie wieder Golfunterricht braucht. Aber nach drei Stunden hat jeder genügend Informationen bekommen, um nun auch allein so zu trainieren, dass er sich weiter verbessert. Ich bin einfach nicht daran interessiert, jemandem mehr Unterricht zu verkaufen, als er wirklich braucht. Betreutes Üben ist für den Lehrer sehr langweilig, und der Schüler spart sich das Geld lieber für den nächsten Unterricht, wenn er ein neues Problem hat.

ZEIT: Wer also Stunden gleich im Dutzend anbietet, ist ein Beutelschneider?

Heuler: Über andere Golflehrer will ich nichts sagen, denn mehrere Golfstunden habe ich von kaum einem Kollegen gesehen. Ich kann aber über meinen eigenen Unterricht sprechen, als ich erst ein paar Jahre Erfahrung hatte. Golfspielen ist sehr anspruchsvoll, das Korrigieren allerdings noch viel komplizierter. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Maschine, die nicht mehr funktioniert. Es gibt 50 Schrauben, zehn sind verstellt, man darf aber maximal an dreien drehen. Wenn ich ehrlich bin, waren in den ersten zehn Jahren viele meiner Stunden alles andere als erfolgreich. Damals habe ich am liebsten Zehnerkarten verkauft – weil ich mir dann ein paar Fehlversuche leisten konnte.

ZEIT: Warum reichen Ihnen heute so wenige Stunden?

Heuler: Für das Analysieren von Bewegungen bringe ich etwas Talent mit. Und nach 10.000 Schülern, von denen ich in jeder Stunde knapp hundert Zeitlupen gesehen habe, verfüge ich auch über viel Training. Meine Analysen sind deshalb nur noch äußerst selten verkehrt, was ich daran erkenne, dass sich der Ballflug meiner Schüler schnell verbessert.

ZEIT: Was sind die größten Anfängerfehler bei der Technik?

Heuler: Die Hände beim Greifen auseinander statt zueinander zu drehen. Zu flach auszuholen, die Schlagfläche ist zu offen, der Handgelenkeinsatz gleicht dem beim Auswerfen einer Angelrute statt dem beim Schwingen einer Peitsche. Dadurch mangelt es an Schlägerkopfgeschwindigkeit, die der Anfänger mit einem schuftenden und tobenden Körpereinsatz zu steigern sucht. Die traumatischen Erlebnisse bei manchen knöcheltiefen Bodenaushebungen führen zu einem intuitiven Anziehen der Arme. Wenn er dann mit seinem Schlägerkopf regelmäßig nicht tief genug kommt, macht er sich im Abschwung immer kleiner. Ich nenne das: Riechen am Ball. Und jetzt ist guter Rat teuer. Meiner kostet 200 Euro.

ZEIT: Viele Spieler wollen vor allem möglichst weit schlagen – ist das Blödsinn?

Heuler: Nein, die Bedeutung der Schlaglänge wurde beim Golf ewig unterschätzt. Inzwischen ist jedoch statistisch bewiesen, dass mehr Länge selbst bei etwas größerer Streuung zu weniger Schlägen führt. Außerdem macht es ja auch riesigen Spaß, den Ball außer Sichtweite zu dreschen. Wenn man trotz guter Technik nicht mehr weiter kommt, hilft nur noch Krafttraining mit der Langhantel. Bei mir hat das noch mal knapp 40 Meter gebracht.

ZEIT: Kommen wir zum kurzen Spiel: Ihr Geheimtipp für das Putten? Gibt es einen unschlagbaren Merkvers?

Heuler: Der Ball muss im Loch! (lacht) Beim Putten gilt das Gleiche wie bei den langen Schlägen: Man muss zunächst analysieren, wie der Schläger an den Ball kommt. Dazu ist aber selbst ein Videobild zu ungenau. Deshalb nutze ich ein Ultraschallsystem. Nach fünf Putts kann ich jedem zeigen, wie sein Treffpunkt vom Optimalfall abweicht. Die Korrekturen sind hier meist einfacher umzusetzen, deshalb ist eine Puttstunde oft schon nach 30 Minuten vorbei.

ZEIT: Kann man Golf auch zu Hause üben?

Heuler: Den Golfschwung kann man außerhalb des Platzes nur schlecht trainieren, denn die Rückmeldung des Ballflugs ist für jede Verbesserung fast unerlässlich. Anderes lässt sich beinahe überall trainieren: Ausdauer beim Joggen, Fahrradfahren, Skilanglauf oder Rudern, Kraft beim Langhanteltraining und Beweglichkeit beim Yoga.

ZEIT: Wie gesund ist Golf eigentlich?

Heuler: Für völlig Untrainierte können 18 Löcher auf einem hügeligen Golfplatz einen ausreichenden Reiz darstellen, die Ausdauer zu trainieren. Als Alternative zur völligen Bewegungslosigkeit ist der Golfschwung nicht schlecht. Allerdings ist die Bewegung einseitig. Als Anfänger trifft man den Ball auch oft schlecht, und Treffer mit der Schlägerhacke oder -spitze versetzen dem Körper einen gehörigen Schlag – vom Hacken in den Boden ganz abgesehen. Wer seinen Körper stark verwindet, also die Schultern viel dreht und die Hüften wenig, sollte einen gesunden Rücken mitbringen. Meine Vermutung ist, dass mindestens 30 Prozent aller Golfer über fünfzig regelmäßig Voltaren schlucken.