Dieses Schwarzwälder Tal ist eng. Die Kinzig fließt an den Fachwerkhäusern der Altstadt von Schiltach vorbei, dazwischen quetscht sich das Stammwerk der Firma Hansgrohe. Wenn Thorsten Klapproth aus dem Fenster schaut, sieht er die Häuser von zwei Brüdern, deren Rivalität seinen eigenen Job bis heute prägt. Klapproth, ein großer, schlanker Mann, ist 55 Jahre alt und Chef von Hansgrohe. Er ist der Herr über Wasserhähne, Duschbrausen und mehr als 4700 Mitarbeiter.

Direkt neben der Fabrik wohnt Klaus Grohe, in einem Einfamilienhaus mit zwei Stockwerken, nicht größer als die Nachbarhäuser – so etwas nennt man hier "Häusle". Das Extravaganteste an diesem Haus ist eine Palme auf dem Balkon. Klaus Grohe hat Hansgrohe groß gemacht. Heute ist er der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens.

Hoch oben, mit Blick über das Tal, steht das Haus von Friedrich Grohe, eine mondäne Villa mit breiter Zufahrt. Friedrich war der ältere Bruder von Klaus, er lebt nicht mehr, aber sein Anwesen sorgt dafür, dass ein Hauch von Beverly Hills durch den Schwarzwald weht. Wegen Friedrich Grohe gibt es noch ein zweites Unternehmen, das fast genauso heißt: Grohe. Es stellt auch dasselbe her wie Hansgrohe: Wasserhähne und Duschbrausen.

Thorsten Klapproth, der Vorstandsvorsitzende von Hansgrohe, ist zugezogen. Er stammt aus Norddeutschland, betrachtet die Familienverhältnisse der Grohes von außen und sagt: "Die grundlegende Rivalität ist vermutlich ähnlich wie bei Adidas und Puma." Allerdings werden die Firmen der Grohes auch noch ständig von den Kunden verwechselt.

Hansgrohe ist keine Klitsche, sondern ein Konzern. 2016 erwirtschaftete er erstmals einen Umsatz von etwas mehr als einer Milliarde Euro. Das Problem: Der Umsatz vom Konkurrenten Grohe liegt höher, bei 1,3 Milliarden Euro. Thorsten Klapproth will das ändern. Er ist der Mann, der den unliebsamen Firmenbruder endlich überholen soll.

Früher hatte man gemeinsame Messestände, heute bekämpft man sich über Anwälte

Um die Rivalität der beiden Unternehmen zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen: Der Tüftler Hans Grohe gründete 1901 in Schiltach im Schwarzwald ein Unternehmen, einen Dreimannbetrieb, der Blechbrausen herstellte. Die Firma wuchs schnell, im Kinzigtal wurde es bald zu eng. Deshalb verließ der zweitälteste Sohn Friedrich in den dreißiger Jahren den Schwarzwald und übernahm in Westfalen einen Armaturenhersteller. Daraus entwickelte sich die Firma Grohe. Bis in die sechziger Jahre ergänzten sich die beiden Unternehmen: Im Schwarzwald wurden Brausen gefertigt, in Westfalen die passenden Armaturen. Die beiden Firmen traten sogar mit gemeinsamen Messeständen auf. 1968 aber verkaufte Friedrich Grohe 51 Prozent der Firma Grohe an den US-Konzern ITT. Damit wurden die beiden Unternehmen zu Konkurrenten. Den Amerikanern waren die Familienbande egal.

Nun begann auch Friedrich Grohe Brausen zu bauen, und Hans Grohe nahm Armaturen in das Sortiment auf. Auf dem Markt für Bad-Armaturen wurde es langsam schwierig, die beiden Firmen auseinanderzuhalten. Selbst die eigenen Mitarbeiter taten sich schwer mit der Unterscheidung. 1977 führten die Schiltacher die Marke "Hansgrohe" ein. Doch einer, der schon seit mehr als 20 Jahren in Schiltach arbeitet, erinnert sich an Meetings, bei denen jeder Mitarbeiter fünf Mark ins Sparschwein werfen musste, der "Grohe" sagte, wenn er "Hansgrohe" meinte.