Eine Art ist weder gut noch böse, sie ist einfach da. Denn Natur hat keine Intention. Trotzdem richten eingeschleppte Arten große Schäden an, selbst wenn sich höchstens jede hundertste auch tatsächlich in einem neuen Habitat etablieren kann.

Es gibt Versuche, ökonomisch zu beziffern, welche Kosten durch Einwanderer entstehen: 120 Milliarden Dollar sollen es jährlich sein – allein für die USA. Diese Kalkulation ist allerdings unfair, weil sie nicht den Nutzen gegenrechnet, welchen manche neue Art bringt, etwa als Schädlingsbekämpfer, Bestäuber oder Lebensmittel.

Woran all das nichts ändert: Fast immer ist es der Mensch, der Lebensgemeinschaften durcheinanderbringt, oft aus Gedankenlosigkeit, manchmal mit Absicht – und immer ohne genügend Verständnis davon, wie ein Biotop auf einen Einwanderer reagiert. Der enorme Druck, den die neuen Bewohner auf Ökosysteme ausüben, nimmt vielen Arten die Zeit, sich daran anzupassen. Auch wenn inzwischen unzählige negative Beispiele für Schäden durch invasive Arten bekannt sind, nimmt ihre Anzahl eher weiter zu. So sind bis heute die Regeln für die Reinigung von Ballastwassertanks bei Hochseeschiffen, für den Handel mit exotischen Tieren oder für die Kontrollen beim Versand lebender Pflanzen viel zu lax – dabei lassen sich ihre Nebenwirkungen nicht rückgängig machen.

In der Diskussion der Naturschützer gibt es eine kleine, aber wachsende Minderheit, die für eine radikal andere Lesart von Natur und Ökologie wirbt: Echte Wildnis gebe es ohnehin nicht mehr, ein unberührter Zustand von Natur sei Illusion, und die Realität könne deshalb ruhig an den Interessen des Menschen ausgerichtet werden. Diese Sichtweise ist nicht nur naiv, sie ist auch gefährlich: weil sie Homo sapiens als Herrscher und nicht als Bewahrer begreift und so getan wird, als ließen sich die Konsequenzen von Eingriffen in das unendlich komplexe System Natur auch nur ansatzweise abschätzen. Dafür ist die Karriere vieler Invasoren der beste Beleg.