Brigitte Macron teilt das Schicksal vieler Frauen, an denen die unbezahlte Arbeit im Haushalt hängen bleibt. Das Haus, um das es geht, ist der Elysée-Palast, und für die Schmutzwäsche wird Brigitte Macron vielleicht Angestellte haben. Dafür muss sie sich vom US-Präsidenten auf Staatsbesuch Komplimente zu ihrer Figur gefallen lassen. Sie sei ja gut in Form, sagte Trump neulich, den Blick auf ihren Körper gerichtet. Dass Brigitte Macron an dieser Stelle ihrem Ehemann Emmanuel nicht zurief: Tschüss, macht ihr mal ohne mich weiter, sondern sich nur etwas verlegen eine Haarsträhne hinter das Ohr schiebt – dafür soll sie nun ein eigenes Budget im französischen Staatshaushalt erhalten.

Bislang werden ihre Mitarbeiter, die ihr zum Beispiel helfen, die 140 täglich eintreffenden Briefe zu beantworten, aus dem Etat des Präsidenten bezahlt. Wie hoch darin der Anteil für die Première Dame ist, darüber hat bislang keine Regierung Auskunft gegeben. Auch werden nirgendwo die Aufgaben der Präsidentengattin festgelegt. Emmanuel Macron hatte schon im Wahlkampf angekündigt, diesen Zustand im Namen der Transparenz zu ändern und die ungeschriebenen Regeln jetzt mal aufzuschreiben, nämlich dass die Ehefrau des Präsidenten repräsentative Aufgaben übernimmt und dafür, wenn auch kein Gehalt, so doch eben Mittel erhält, über die sie selbst verfügt.

Gegen dieses Vorhaben regt sich der Widerstand. Auf der Online-Plattform change.org kann man unterschreiben, dass am Status der Première Dame nichts geändert werden solle. Das Argument lautet, solche Privilegien für Familienangehörige gehörten abgeschafft. Die Zahl der Unterzeichner stieg innerhalb kürzester Zeit auf knapp 300.000.

Warum ist ihnen die Sache so wichtig? Woher kommt die Abneigung gegen Brigitte Macron?

Es geht bei der Diskussion natürlich um die immer neue Frage, wie man mit Frauen umgeht, die Grenzen überschreiten. Brigitte Macron trägt kurze Röcke ohne Strumpfhosen und enge Jeans und nimmt generell wenig Rücksicht auf die allgemeine Schamhaftigkeit gegenüber dem alternden weiblichen Körper. Auch strahlt sie etwas entschieden Unhäusliches und Kühles aus. Sie ist jetzt zwar Patin eines gerade im Zoo von Beauval geborenen Pandababys geworden, worüber sie, wie sie sagt, "sehr glücklich" sei, aber man kann sich gar nicht vorstellen, dass sie empfänglich sein sollte für den trotteligen Charme eines kleinen Bären. Catherine Deneuve geht ja auch nicht in den Zoo.

Man könnte auch meinen, dass das Ganze gar nicht so wichtig sei, schließlich stehen in Frankreich wichtigere politische Fragen zur Klärung an. Brigitte Macron tut einfach weiterhin, was Gattinnen von Amtsträgern weltweit immer getan haben: etwa Leute wie Bono und Rihanna wegen deren Charityprojekten zu treffen. Und dass die Petition so viele Unterzeichner hat, macht sie noch nicht unbedingt relevant. Ebenso viele Menschen haben ein Ansuchen unterschrieben, das die rückhaltlose Aufklärung des rätselhaften Todes einer streunenden Katze im Departement Var fordert.

Allerdings sagt der derzeitige Streit etwas über Emmanuel Macrons Politik aus und darüber, wie sie bei den Franzosen ankommt. Die Petition ist ein Akt des Widerstandes gegen den immensen kulturellen Bruch, den der neue Präsident plant.

Macron hat oft gesagt, Frankreich könne sich nur erneuern, wenn die Politik der Illusionen ein Ende finde. Und dieses Ende beginnt jetzt. Mit der offiziellen Festschreibung einer Aufgabe für die Première Dame stirbt die Illusion, diese erledige ihre Aufgaben freiwillig, ohne Mühen und Kosten. Was wie Hingabe aussah, ist jetzt ein Job.