Mode von Liz Malraux im Atlantic, das ist auf den ersten Blick ein bisschen wie Big Mac essen mit Silberbesteck. Aber wenn man Platz genommen hat in diesem Spiegelsaal, in dem vermutlich schon Max Brauer irgendwelche Veranstaltungen über sich ergehen ließ, wenn man da so sitzt und ins Publikum schaut, eine Mischung aus älteren Damen und annähernder Prominenz, dann stellt sich ein Gefühl des Aus-der-Zeit-Fallens ein. Waren Modeschauen in den Fünfzigern so? So freundlich und familiär?

Malraux ist eine Institution. Dreißig Jahre lang gibt es diesen Stil bereits, Kleider und Röcke mit Flicken aus Krokoleder-Imitat. Chanel plus Schuppenflechte. Aber warum nicht, es muss ja nicht alles aussehen wie Jil Sander oder Yamamoto mit ihrer depressiven Reduktion.

Bei Liz Malraux gilt: Mehr ist mehr. Mehr Farbe, mehr Fummel. Früher hing der Fuchsschwanz am Rückspiegel, jetzt hängt er an der Handtasche, als Accessoire. Vermutlich sind Lederflicken am Hintern auch praktisch, da rutscht man auf glatten Designermöbeln nicht ab. Malraux ist so ein Pragmatismus zuzutrauen. Sie ist keine Unternehmerin, die ihre Kundinnen mit komplizierten Ideen quält.

Am Ende donnert Butterfly von Danyel Gérard durch den Raum, es herrscht Kreuzfahrtstimmung. Vollkommen überraschend: Auftritt der Zielgruppe. Frauen jenseits der 50, nicht mit dem Body-Mass-Index einer Giacometti-Figur, sondern rundlich, manche schwerfällig, manche ein bisschen unsicher. Frauen mit Physiognomien, die in der Wirklichkeit entstanden sind, nicht durch Photoshop.

Dieses Finale hat, als Hommage an die eigene Klientel, eine beispiellose Größe.

Wer da war: Mario Galla, Eva Habermann, Chiara Moon, Jacqueline und Karl J. Pojer, Anouschka Renzi, Bettina Wulff